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Die Dichterin

Eine kleine Geschichte

Geboren wurde ich an einem eiskalten und sehr frostigen Februartag nach der Mitte des Monats. Ein kleiner bunter Fisch kam geschwommen in der grauen Zeit der Nachkriegsjahre.

Es gab kaum Spielsachen, außer einem kaputten, lädierten, sehr alten und geerbten Teddybären. image Er wurde verarztet, gehätschelt und auch mal gebadet. Fell hatte er keines mehr, der Arme. Er wird wohl gefroren haben. Die beiden Puppen, an die ich mich erinnere, waren nicht so wichtig. Eine hatte ein kaputtes Handgelenk, an dem ich eifrig herummanipulierte. Einige Jahre später kam noch eine Puppe dazu, der ich die braunen Zöpfe löste und die lockigen Haare mit einem grobmaschigen weißen Netz schützend umhüllte.

Das waren im Großen und Ganzen die Spiele des kleinen Mädchens, welches sich sehnsüchtig ein Geschwisterchen wünschte und Abend für Abend Zuckerstückchen (sofern es welche gab) auf die Fensterbank legte. Irgendwie klappte das aber nicht, es kam kein Geschwisterchen an.
Dafür kamen die Bücher! Die wunderschönen Märchenbücher mit den geheimnisvollen
Geschichten und auch Max und Moritz von W. Busch, Heidi von Johanna Spyri und dann endlich Pippi Langstrumpf.
Da ging es mir richtig gut ! An Weihnachten eine Pippi (es gab ja 3 Bände, jedes Jahr einen) und ein Stück Marzipan dazu. Es war der Himmel auf Erden.

Die Winter in dem großen, alten Haus mit den vielen Menschen waren eiskalt. Morgens unter der dicken warmen Decke hervorzukriechen und über den eisigen Flur in die Wohnküche zu laufen, war ein bibberndes „Vergnügen“. Es gab Eisblumen an den Fenstern, an denen man sehr schön herumkratzen konnte.
Meine Oma war der ruhende Pol im Haus. Sie hatte immer Zeit und auch da noch Verständnis, wo es die Eltern vermissen ließen.

Bücher, Bücher, nichts als Bücher könnte man sagen – sie begleiteten mich immer, auf allen meinen Wegen und waren mir die besten Freunde, die ich hatte. Deutsch war in der Schule mein Lieblingsfach und Aufsätze schreiben war keine Anstrengung, es war ein Gleiten in die Fantasie und das Herauskommen oft nicht so einfach. Man entriß mir die Blätter nach der vorgegebenen Zeit. Ja, es gab schon „gemeine“ Lehrer.
Der Deutschlehrer mochte mich, die Mathelehrer schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. Ich war eben ein nicht immer einfaches Kind.

Nun habe ich selbst zwei erwachsene Töchter, erlebe mit der Familie Höhen und Tiefen und habe das Schreiben wieder entdeckt. Eine spezielle Form des Schreibens hat es mir angetan. Es ist die Lyrik, die ich spät für mich entdeckt habe und die mich fasziniert.

Durch Kinderbasteln, Seidenmalen und einen tiefsitzenden Sammeltrieb, der sich auch auf Papierarten bezieht, begann ich vor einigen Jahren, Collagen zu fabrizieren. Es sind Materialbilder, in denen ich alle schon von anderen Menschen weggeworfenen Schnipsel, Bänder, Verpackungen und anderes verarbeiten kann. Die Motive sind ausschließlich fantastische Geschöpfe, die der Märchen- und Sagenwelt zu entstammen scheinen. Dann spiele ich endlich und bin wieder Kind. Ich zeige meine Fantasie, hänge sie an die Wand und stelle sie aus.

Das bin ich.

Wortbehagen - mein Gedicht

blaue Blume
Sich mit Behagen
den Worten ergeben,
sie annehmen, wie sie kommen,
ihnen auf die Sprünge helfen,
wenn sie vor sich hinstolpern
und nicht recht wissen
wohin mit dem Sinn.

Sinnliche Freude beim Erkennen
des wie ein Wunder
sich zusammenfügenden Wortpuzzles
- Worte aus allen Ecken
und auch aus den Lüften.

Oft kommen sie von weit her,
aus bisher verschlossenen Kammern.
Es öffnet sich mit Zaubermacht
ein Spalt in der Gedankennacht
und gibt sie frei in die Welt,
in die sie gehören.
Die Wortwelt des Menschen
wird bereichert, ergänzt,
bis jedes Wort wie ein Edelstein glänzt.

Im menschlichen Wort- und Gedankenspiel
sind die neuen Worte endlich am Ziel.

Pustender Wind mit dicken Backen,
in den Wortblätterhaufen
des fast vergessenen Gartens,
der noch nicht kombinierten Worte,
schafft zusätzliches Gedankengut.

Wortbehagen breitet sich aus
im inneren menschlichen Haus.

Fehlgeleitetes und Verirrtes
wird liebevoll aufgenommen,
gelassen eine Zeitlang versteckt
und dann mit neuer Erkenntnis geweckt.

Dem Dichter wird leicht und locker zumut,
ihm tut Wortbehagen unendlich gut.


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