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Der große Kuchen

Sie waren alle geladen zum festlichen
Schmaus und sie kamen
in seidigsamtenen Roben behängt
mit funkelnden Steinen die Herren
in Smoking und Frack
Die Unterhaltung war vornehm gedämpft


Das Tafelsilber ausgesucht, die Tafel
reich gedeckt und alles erstrahlte im
Glanze edelster Kandelaber


Zur Abschluß des gelungenen Mahles
wurde ein riesiger Kuchen hereinge-
rollt wie keiner ihn kannte - hochge-
türmt und mit einer Haube aus violett
farbenen Rosen bekränzt
Berauschend war der Duft, den er ver-
strömte - ein Duft - den es nie bisher
gegeben hatte


Zierlich begannen sie zu essen mit
sehr kleinen Bissen, doch dann aßen
sie schneller und schneller und
nahmen immer größere Stücke


Sie wurden gierig und griffen über
den Nachbarn mit beiden Händen in die
begehrliche wohlschmeckende weiche
Masse des großen Kuchens
stopften sich ihre Münder voll und
bekamen nie genug


Langsam veränderten sich ihre
Gesichter -  ihr Blick wurde glasig  
und spitz ihre Ohren - die Nasen
hochgebogen - Die Münder blieben
offen zu Grimassen verzerrt und
immer noch hatten sie nicht genug
vom großen Kuchen - der für alle
Menschen hätte reichen können


Doch nun waren sie gebrandmarkt


Sie waren die, die nie genug bekamen

 


Dienstag, der 26.  Febr.  2019

 

 


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© Text und Foto Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 7.3.19

Ein absolut toller Kommentar, liebe PRISKA
Ich danke Dir sehr dafür!
So wollte ich ihn schreiben, meinen Text. Genau das, was Du so gekonnt zusammenfaßt, ging mir dabei im Kopf herum.
Ganz herzlich, Bruni am frühen Abend

von Priska Pittet am 6.3.19 - http://www.alltagschrott.ch

Liebe Bruni
Eine beeindruckende Analogie des Menschen Nimmersatts, der Gier, die deformiert und den Mensch fratzenhaft verschwinden lässt. Deine Zeilen widerspiegeln herrlich das sich rasant steigernde Tempo der Gier, in der sich die Fratzen am Ende wie unkontrollierte Automaten verhalten… Herzlich. Priska

von bruni am 5.3.19

Ich sehe es genau wie Du, liebe ULLI,
und ich versuchte es in meiner Art zu beschreiben.
Danke sehr für Deine Worte, sie freuen mich sehr!
Herzliche Morgengrüße aus dem Nieselregen von Bruni

Ganz großes Kino, liebe Bruni!!! Zierlich begannen sie zu essen ... und dann die Steigerung, die Gier, das Nie-genug ... ja, so ist das leider mit vielen Menschen und man sieht es ihnen auch mit der Zeit an!
Herzliche Grüße
Ulli

von bruni am 2.3.19

Das festliche Mahl ist auch nur ein Gleichnis dafür, liebe BARBARA
Wenn´s nur beim Essen wäre, würden wir vermutlich gar nicht drüber reden.

von Silberperlen/bmh am 2.3.19 - http://silberperlen.wordpress.com

zierlich begannen sie zu essen ... dieser Run auf immer mehr ... Du hast die Gier gut dargestellt - und nicht nur beim Essen können wir sie beobachten.

von bruni am 2.3.19

Während ich schrieb, liebe GERDA,
wurde mir bewußt, daß man manchen Menschen das Gierige ansieht oder es einfach an ihnen bemerkt. Aus Gesten und Stimmlagen, ihrem ganzen Gehabe. Es ist zu fühlen, zu spüren und oft ist es mir fast körperlich peinlich…

von gerda am 2.3.19 - http://gerdakazakou.com

toller Rhythmus! “Zierlich begannen sie zu essen…”, dann wird er schneller und schneller und überstürzt sich wie die Fresser .... und dann wird er wieder langsam, festgefroren sind üblen Grimassen. Ja, in gewisser Weise ist es ganz realistisch: unsere Laster werden als körperliche Missbildungen sichtbar.

von bruni am 1.3.19

Liebe Grüße an Dich, lieber FINBAR

von Finbar am 1.3.19

Herzlichen Dank!
Finbar

von bruni am 1.3.19

*lach*, so könnte man es auch nennen, Helmut
Liebe Grü0e von Bruni

von Helmut Maier am 1.3.19 - http://www.maier-lyrik.de/blog

Schon jetzt eine Fastenpredigt! Toll!

Liebe Grüße
Helmut

von bruni am 1.3.19

ich verstehe lieber FINBAR,
und denke an Dich

von finbar am 1.3.19 - http://finbarsgift.wordpress.com

Fein geschrieben Bruni, aber leider ist mir derzeit so gar nicht nach Kuchen …
tut mir leid :-(
LG Finbar

von bruni am 1.3.19

Wie recht Du doch hast, GERHARD!
Anfangs ist alles gut, aber wehe, die Gier greift ein und jeder will mehr und mehr…
LG von Bruni

von Gerhard am 28.2.19

Gier ist aller Laster Anfang, oder?!

von bruni am 28.2.19

Liebe ANNA-LENA,
tja, da gingen Dir vermutlich ähnliche Menschen im Kopf herum wie mir beim Schreiben…
Es sind halt Gedanken, die uns sehr beschäftigen und eine Lösung finden wir einfach nicht, weil eine Lösung nicht einfach ist. Die Gier nach mehr scheint in den menschlichen Genen zu liegen und ich habe versucht, sie mit einem Wortbild darzustellen *g* Liebe Grüße zum Morgen nun an Dich. Deine lieben Grüße zur Nacht hatte ich wohl schon verschlafen. Manche Tage sind halt anstrengend.

Eine tolle Darstellung vieler Menschen, die den Hals nicht voll bekommen können und in ihrer Gier unersättlich werden.
Sehr gern gelesen, liebe Bruni. Ich könnte mir solch eine Gesellschaft momentan auf verschiedenen Ebenen vorstellen, mein Kopfkino macht ständig ‘KLICK’ !

Gute-Nacht-Grüße und schlaf schön,
Anna-Lena

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