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Ich suchte nach Worten

Als ich die Worte suchte
fand ich sie unter Steinen
versteckt und als die
Steine zu blühen begannen
begannen sie zu träumen


Da setzte ich mich zu ihnen
und wartete geduldig auf
ihr Erwachen


Manchmal sprachen sie
im Schlaf und sie lachten
auch


Sie schienen mir glücklich
und zufrieden und   b a l d
war ich es auch   ...

 

Freitag, der 13. Okt. 2017

Es ist spät, eine halbe Stunde
bis Mitternacht und ein Bild
vom Tage würde jetzt nicht
passen, drum nahm ich eines
aus einer Vollmondnacht


image
© Text und Foto Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 17.10.17

Liebe ULLI,
bei mir sind es meist die abgeschliffenen aus Flußbetten oder auch Steine, die für mich ein Geheimnis tragen. Kleinere trage ich auch oft nachhause und gebe ihnen einen Platz in meinem Umfeld *lächel*
Herzlichst
Bruni

Liebe Bruni, du bringst mich auf eine gute Idee, bislang habe ich nur den Steinen auf dem Land gelauscht, ich werde es mal mit Flusskieseln probieren, mal sehen wie es sich unterscheidet!
Herzlichst
Ulli

von bruni am 17.10.17

Liebe PRISKA,
ich mag Deinen Kommentar sehr. Geduld mit den Dingen haben, zuhören und verstehen wollen, das Schöne im nur oberflächlich Unscheinbaren erkennen, hinter die Dinge blicken. Es geht einem so viel im Kopf herum, dann bündeln sich die Gedanken, und Du liest von mir, in diesem Fall von den Steinen, die zu blühen beginnen
Ich danke Dir fürs Verstehen und schicke Dir liebe Grüße von mir

von PriskaPittet am 17.10.17 - http://www.alltagschrott.ch

Liebe Bruni
Ein wunderschönes Bild der Steine, die erblühen. Es braucht jemand, der sich die Zeit nimmt zuzuhören und die Sprache zu verstehen. Ein zartes, inspirierendes Gedicht.
Ganz herzlich. Priska

von bruni am 16.10.17

Liebe ANNA-LENA,
ich suche nochmal, aber ich bin eigentlich sicher, daß da nichts angekommen war. Um die Steine zu hören, mußt Du Dich ganz tief bücken *g* (Es sei denn, Du hast sie auf Deiner Fensterbank grin). Sie sind sehr leise und drängen sich nicht auf. Da heißt es, seine inneren Ohren auch noch einzuschalten
Ganz herzliche Grüße in die Nacht von Bruni

von Anna-Lena am 16.10.17 - https://visitenkartemyblog.wordpress.com/

Ich bin sicher, gestern hier schon kommentiert zu haben, aber ich finde ihn nicht… :-( .

Sehr schöne Zeilen, liebe Bruni, ich glaube, ich suche immer an den falschen Stellen. Danke, dass du meinen Blick erweitert hast grin .

Liebe Grüße und eine gute Nacht,
Anna-Lena

von bruni am 16.10.17

Liebe ULLI,
wunderhübsch und voll tiefem Sinn sind Deine Worte und ja, ich verstehe,
sie lernte das Lied der Steine und bei ihr/bei Dir klingt es etwas anders als bei mir. Ich vermute, von meinen Steinen war keiner schwarz, sie waren alle hell, kreidefarben und rundlich, vom fließenden Wasser im Laufe der Zeiten abgeschliffen, unterschiedlich gemasert und auch ihre Formen waren in sich verschieden, eckig und kantig war aber keiner. Ich mag Steine sehr und Deine kleine blaue Frau auch.
liebe Grüße von Bruni

Liebe Bruni, hier sende ich dir einen Ausschnitt aus “Der kleinen blauen Frau”
„Du hast die Lieder der Toten gelernt, du hast die Tänze der jungen Frau getanzt, du hast das Sommermädchen wach geträumt, du hast das Ist getanzt. Du hast einen geheimen Namen, du bist nicht allein. Dein Volk steht in deinem Rücken, die Alte mit dem erdigen Gesicht wohnt in deinem Herzen, gleich neben dem geheimen Gedicht. Du hast deinen Platz gefunden, du hinterlässt keine Spuren. Du singst dein Lied leise. Du hast dein Gesicht gefunden und deinen geheimen Namen, alle Masken brannten. Du hast das Lied der Erde gelernt und das von der Wiederkehr, nun gehe und finde das Lied der Steine.“
„Nur still und stumm kenne ich die Steine, vielleicht, dass mir mal einer über den Fuß rollte“, wundert sich die kleine blaue Frau.
...Sie stolpert, sie strauchelt, sie stürzt, sie stützt sich ab an einem Stein, der löst sich aus dem Grund. Er rollt ihr über den Fuß. Die kleine blaue Frau sitzt auf dem Weg und erholt sich von dem Schreck. In der Ferne heult ein Coyote. Sie versteht, sie lacht und sagt:
  „Ihr habt mich also gehört!“ Und plötzlich hat sie keine Eile mehr. Schritt für Schritt, ohne einen auszulassen, erreicht sie das Felsenmeer. Sie geht und klettert über die Steine und Felsen, über die großen und die kleinen. Sie kommen aus allen Zeiten. Die einen sind aus dem Feuer gekommen, die anderen aus dem Meer. Lange wandert die kleine blaue Frau zwischen ihnen herum und lauscht, aber sie hört nur ihren eigenen Schritt und Atem. Nach einer langen Weile entdeckt sie zwischen den vielen Steinen einen, der ist schwarz und flach, er hat ein zerknautschtes Gesicht, das streckt sich ihr entgegen. Sie setzt sich ihm gegenüber und spricht:
„Ich bin die kleine blaue Frau mit dem geheimen Namen. Mirandash pyree schickt mich euer Lied zu lernen.“
Es bleibt still. Es hält die Welt den Atem an. Es ist, als würde sie sich nicht mehr drehen und kein Mond um die Erde herum. Stumm, leer, nichts. Nichts, leer, stumm und dann ein Summen. Tief schwingt es. Mit ihm beginnt sich die Welt erneut zu drehen, atmet ein und aus, Mond dreht sich wieder um die Erde, die Erde um sich selbst. Aus dem tiefen Summen werden Töne, sie formen sich zu Silben, Silben zu Worte, Worte zu Sätzen. Die kleine blaue Frau muss jetzt sehr geduldig sein. Es dauert die halbe Nacht:
  „ Unsere Zeit währt lang, die eure kurz. Wir kennen eure Eile nicht und ihr nicht die Achtsamkeit. Es scheint, als wäret ihr aus der Zeit gefallen, seid stets voraus oder zurück, wann ist bei euch jetzt?“
Dann schläft die kleine blaue Frau. Sie hat ihr Ohr auf den Mund des schwarzen Steins mit dem zerknautschten Gesicht gelegt, der Mantel ist ihre Decke, der Stein ist ihr Kissen. Er singt das Lied der Steine in ihren Traum hinein. Sie nimmt es in ihr Herz. Am Morgen küsst sie seinen schwarzen Mund. Sie geht zurück, sie schaut sich nicht um. Leise summt sie das Lied der Steine. Sie trägt das Lied zu der Alten mit den sieben Schneenamen. Die wartet schon auf sie. Büffel steht an ihrer Seite.
Auf dem Herd köchelt eine Suppe, Kerzen stehen auf dem Tisch, gedeckt ist für zwei. Lange liest die Alte die Augen der kleinen blauen Frau, lauscht sie dem stillen Lied der Steine. Sie lässt es bei der kleinen blauen Frau. Zusammen essen sie die Suppe, brechen sie das Brot, trinken sie das Wasser aus der Quelle. Später löschen sie die Kerzen, sie gehen zu Bett. Gesprochen haben sie nicht. Das war nicht nötig.

Hieran habe ich gedacht, als ich den Kommentar schrieb.
Liebe Grüße
Ulli

von bruni am 15.10.17

*lächel*, liebe MATHILDA,
märchenhaft, gell? Ich mag solche Geschichten sehr. Damit entfliehe ich dem Alltag und spinne mir eine andere Welt - für kurze Zeit ...
Herzlichst, Bruni

von Mathilda am 15.10.17 - http://einfachtilda.wordpress.com

Worte unter Steinen, die dann zu blühen beginnen und sprechen…das ist mir leider noch nie passiert. Dieser Gedanke ist schön und in wunderbare Worte eingebunden.

Alles Liebe wünscht Mathilda ♥

von bruni am 15.10.17

Liebe ULLI,
wenn sie schlafen, sprechen sie zwar immer noch bedächtig, sind aber ganz gut zu verstehen *g* und ihr Lachen müßtest Du hören, es ist ein wenig dunkel und klingt wie eine ganz kleine wunderhübsche Melodie
Hier war es auch ein goldener Tag und viel Trubel mit den Kinderchen
Bruni am Abend

von bruni am 15.10.17

Liebe DIANA,
wir kennen es alle, nur hat jeder andere Stellen, an denen er fündig wird grin
Ganz herzliche Grüße von Bruni

Liebe Bruni, meine Erfahrung mit der Sprache der Steine ist, dass sie seeehr langsam sprechen, da muss ich um einiges herunterschalten, um ihnen lauschen zu können! Und ja, sie sind sehr weise, in ihrer Ruhe und Gelassenheit!
Ich wünsche dir noch einen wunderbaren Restsonntag, wir haben hier einen absolut goldenen Tag,
Ulli

von diana am 15.10.17 - http://versspruenge.wordpress.com

oh, diese suche kommt mir sehr bekannt vor smile wunderschön geschrieben, liebe bruni, oder: gefunden!
ganz herzlich,
diana

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