Startseite | Kontakt | Impressum

Eiserner Wald II

Kennst du den eisernen Wald
in dem die Blätter rasseln
und die Säbel rauschen?


Den Wald,in dem die Eichhörnchen
Rüstungen tragen und die Vögel
leise getragene Choräle singen?


Pflanzen ducken sich in die
Höhlungen der Bäume und Gräser
wachsen zurück in die Erde
Blüten und Blumen verschwanden
im eisernen Dunkel


Hier und da schlängelt sich ein
kleines neugieriges Blütenkind
über den merkwürdig schlammig
schlüpfrigen Boden des Waldes
weiß nicht wohin - die Sonne
versteckt ihre Strahlen - sie birgt
ihr Gesicht und das Pfanzenkind
verkümmert ohne ihr Licht


Es ist der Wald des Schweigens
der Schergen und Schinder
Natur wird zur Staffage - zieht
sich zurück - wird zum Schemen
zum Schatten nebelt sich ein
und verbirgt sich ganz ...


Auf Erlösung wartet der Wald
wartet ab in der Stille begibt
sich ins Innere des Wachsens
und gebietet ihm Stillstand


Bis er endlich erwacht in der Nacht
der Neues und Gutes schafft
Der Kämpe für Freiheit mit Mut
und Gefolgschaft
Der den Wald aus den Niedergangs-
klauen befreit ihm Kraft schenkt
und Licht und ein wunderlich
schönes - ein neues Gesicht

 

Donnerstag, der 2.  März 2017

Der Eiserne Wald ist ein Poem
aus dem April 2006

Ich habe es sehr behutsam an
wenigen Stellen geändert und
ihm einen aktuellen Platz
gegeben, den es sich heute
wieder mehr denn je verdient hat


image
Text u. Foto Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 9.3.17

Liebe GERDA,
für mich ist es auch das stärkste Bild für das, was ich hier ausdrücken wollte und wer kann sich schon vorstellen, daß sogar das frei springende Eichhörnchen sich mit einer Rüstung schützt? Es ist ein Horrorszenario ... Endzeitstimmung

von Dr. Gerda Kazakou am 8.3.17 - http://gerdakazakou.com

Gräser wachsen zurück in die Erde - das ist das stärkste Bild, meine ich. Es ist so bedrohlich. Wollen wir doch unsere Rüstungen ablegen.

von bruni am 6.3.17

Liebe BARBARA,
wie schön, daß Du auch dieser Meinung bist. Manche Worte, die man geschrieben hat, bleiben haften, sie graben sich ins Gedächtnis ein, ein Zeichen dafür, daß man aus tiefstem Herzen und mit ganzer Seele schrieb.
Finbar hat es in einem prägnanten Satz zusammengefaßt:
Die Welt ist eine aus den Fugen geratene, nichts scheint mehr an seinem richtigen Platz!
Leider ist es wirklich so ... und sollte doch anders sein.
Herzliche Grüße von Bruni an Dich

von was bleibt/bmh am 6.3.17 - http://wasbleibtsite.wordpress.com

Es ist gut, dass Du das Gedicht wieder eingestellt hast.
Mich beeindruckt es sehr und es bekümmert mich auch, wenn ich an unsere Zeit denke, in der wir leben. Sie könnte so anders strukturiert werden.

Ich danke Dir für das fabel-hafte geschriebene Gedicht und grüße Dich herzlich
Barbara

von bruni am 6.3.17

Ich erinnere mich immer mal wieder an den eisernen Wald, lieber FINBAR
Er ist eines der Poeme, die ich nie vergesse. Es gibt ja auch welche, da bin ich verblüfft, wenn ich sie finde *lach*
Ich mußte ihn unbedingt mal aus seiner Versenkung hervorzaubern, denn er passt so gut in unsere Zeit, in der sich so vieles tut, aber kaum etwas Gutes…
Hier u. da hatte er auch eine sehr kleine Korrektur verdient.
Bei den letzten beiden Versen überlegte ich, ob ich sie nicht weglassen sollte ...
Liebe mittägliche Grüße auch an Dich von mir

von finbar am 6.3.17 - http://finbarsgift.wordpress.com

Ein beeindruckendes Dacapo deines fast zehn Jahre alten Poems!

Die Welt ist eine aus den Fugen geratene, nichts scheint mehr an seinem richtigen Platz!

Liebe Mittagsgrüße vom Finbar

von bruni am 5.3.17

stimmt, liebe KARIN,
irgendwie passt es *g*. Es steht am Neckarufer, dieses leicht verrückte Haus.
Vermutlich war es mal so etwas wie ein Baustellenhäuschen. Der scheinbar eingebaute Trichter gehörte vielleicht zu Ausbaggerungsarbeiten dort u. ein findiger Kopf konzipierte dieses *Baudenkmal*, das ein offizielles Team der Heidelberger Graffitiszene am Ende besprühen durfte. Aber das ist die reine Spekulation von mir.
Mobilisieren wir schon mal all unsere Kräfte, damit wir es hinbekommen, wenn es so weit ist, was hoffentlich nicht geschehen wird, aber auch an der Einsicht hapert es allzu oft.
Liebe Sonntagsgrüße von mir an Dich

von Karin am 5.3.17

Wie gut passt auch Dein Monatsbild zu diesem nachdenklichen Text;wünschen wir uns alle genug Kraft, um wie die Natur nach aller Zerstörung immer wieder etwas Neues zu schaffen. Es bedarf dazu nur der Einsicht.
Einen lieben Gruss in Deinen Sonntag.

von bruni am 5.3.17

ja, eine schlimme Vorstellung, liebe ANNALENA, hoffen wir, daß es anders sein wird…
und vielen Dank für Dein Kompliment.
Es bedeutet viel für mich.
Herzliche Grüße an Dich aus der Nacht zum Sonntag von mir

Eine grauenhafte Vorstellung in solch einer Welt zu leben, liebe Bruni.Bisher gab es immer noch eine Möglichkeit auszuweichen und die kleinen Oasen der Ruhe und Geborgenheit zu finden.

Aber es ist ein Meisterwerk von dir, chapeau, du Liebe.

Herzlichst
Anna-Lena

von bruni am 4.3.17

*freu*, wie schön, daß Du mich auch so gut verstanden hast, liebe DIANA.
Ach, wär´n nur die ewigen Zweifel nicht *g*. Aber vielleicht braucht man die auch, um sich selbst anzuspornen u. dazu lernen zu wollen.
Ich grüße Dich sehr herzlich
Bruni am Nachmittag

von bruni am 4.3.17

Liebe PRISKA,
mir scheint, ich konnte doch genau das, was ich damit sagen wollte, verständlich ausdrücken, trotz der Metapher, die ich verwendet habe. Ich atme auf. War mir gar nicht mehr so sicher…
Herzlichst Bruni und noch eine feine Urlaubswoche Dir und Deinen Lieben.

von diana am 4.3.17 - http://versspruenge.wordpress.com

aber ja, natürlich ist es verständlich, liebe bruni!
mit poetisch meinte ich das bildhafte, die sprache, die metaphorik.
(und der hoffnungsschimmer zum schluss fehlt ja auch nicht - glücklicherweise!)
herzlichst
diana

von Priska Pittet am 4.3.17 - http://www.alltagschrott.ch

Liebe Bruni
Dein Gedicht weckt Trauer, Trostlosigkeit und eine Art Verzweiflung. Schlimm, wenn sich nichts mehr entfalten kann, Angst herrscht, Empathie verkümmert. Möge Dein Gedicht wie ein Lichtstrahl wirken.
Sei herzlich gegrüßt. Priska

von bruni am 4.3.17

Mehr brauchst Du doch auch nicht zu finden, liebe ULLI. Ja, es sind die versteinerten Herzen, das Dunkle in der Welt, das hier verkörpert ist, die falsche Richtung, in die die Welt zu gehen scheint. Die Menschen, die keine Gemeinsamkeit mehr finden und sich zu schützen versuchen, in dem sie Rüstungen/Masken tragen.
Eine Welt, wie wir sie nicht mögen und so auch nicht lieben können.
Liebe Grüße von Bruni, die keine Rüstung trägt *g*

Liebe Bruni, als Synonym für Versteinerung der Herzen und der Verdunkelung der Herzen, für die eiserne Brust, ja, so kann ich solch einen Wald sehen, wie traurig das ist!
Nur der Wald ist der Wald ... als ich vor vielen Jahren in Theresienstadt war und über das dortige KZ-Gelände ging, war da ein Innenhof (eine Hinrichtungsstätte mit Galgen), am Rand stand eine uralte Eiche, sie hat das alles gesehen, sie hat das alles überlebt, das hat mich irgendwo sehr tief berührt. Mehr Worte habe ich dafür leider nicht.
Herzliche Abendgrüsse
Ulli

von bruni am 3.3.17

Liebe DIANA,
ich hoffe, es ist auch verständlich *g*.
Ein *Wald*, in dem alles falsch ist, was nur falsch sein kann. Kein Tier traut dem anderen. Blümchen, die in Lichtungen wachsen, gibt es nicht mehr, weil es natürlich auch keine LICHTungen mehr gibt. Nur Dusteres ist da, Bedrohliches u. alles versucht sich irgendwie zu schützen ... Ein Blick auf die Welt, deren Weg zur Zeit in tiefe Abgründe zu führen scheint.
Herzlichst Bruni

von diana am 3.3.17 - http://versspruenge.wordpress.com

sehr poetisch, liebe bruni, gefällt mir sehr!
liebe grüße!
deine diana

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



image image image image