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Sinnlos war, war da geschah

Ich glaube es nicht


daß er weniger fühlte als ich
- der große hübsche schwarz-
haarige Mann, der den Krieg über-
lebte, unbeschadet am Körper -
doch nicht an der Seele - mein
Vater


Er war dem Hauen und Stechen -
dem sinnlosen Töten und Morden
am Ende entronnen


Heil geblieben war nur sein
Äußeres. Seine kranke Seele
sah keiner - doch war sie
zu ahnen


Hatte er doch so viele seiner
niedergemetzelten Kameraden
auf eisigen Feldern liegen
sehen - wie zerbrochenes nutz-
los gewordenes Spielzeug weg-
geschmissen, nicht mehr taug-
lich zum Dienst an der grau-
sigen Waffe.
Ihre Seelen waren geflohen - ihre
Körper der Verwesung preisge-
geben ...


Und jegliche Liebe verflog mit
dem Winterwind

 

Mittwoch, der 12. April 2017

Er heiratete mit vierundzwanzig
Jahren und als er sechsundzwanzig
war, kam ich zur Welt

In einem seiner zahlreichen Foto-
alben waren nur solche Bilder und
als ich sie vergessen wollte, schmiss
ich ohne Zögern sein gesamtes
Album in eine große grüne Mülltonne
Da war er schon lange tot

Vielleicht würde ich es heute auf-
heben   -  ich weiß es nicht


image
Text u. Foto Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 15.4.17

Oh ja, dafür sorgte dieser Mann, der Hitler hieß, liebe GABRIELE.
Mein Vater und seine beiden Brüder waren sofort nach der Mittleren Reife in einer Arbeitsgruppe, die vorbreitend tätig war.
Keiner kam wieder nachhause, die Heimat gab es nicht mehr u. der jüngste der Brüder starb mit knapp 18 Jahren an einer der letzten Kugeln ...
Schrecklich
Schöne Ostern wünsche ich Dir auch

von bruni am 15.4.17

Liebe PRISKA,
keiner versteht es und trotzdem geschieh es - wieder und wieder und Gründe dazu finden sich immer ...
Ich habe mal einen Film gesehen über ein türkisches Dorf, in dem die Männer unentwegt wegstarben durch Kriege, die sie mit denen *hinter der Grenze* führten, bis es den Frauen zu dumm wurde. Sie bildeten ein geheimes Komitee *Frieden durch Abrüstung*, in dem sie einen Schlachtplan entwarfen, wie sie an die gut gehüteten Waffen der Männer drankommen konnten, ohne daß diese eine Ahnung davon bekämen, daß ihre Frauen dahinterstecken könnten.
Sie verbündeten sich mit der aus Polen stammenden hübschen jungen Frau mit dem viel zu kurzen und viel zu engen Rock und dem tiefen Dekolletée in der Dorfkneipe, die sie alle nach und nach betrunken machte und währenddessen entwendeten die Frauen heimlich alle Gewehre und verbuddelten sie an einem Platz, der vorher sorgfältig ausgesucht worden war, an den keiner der Männer jemals denken würde und für neue Waffen hatte keiner Geld. Also blieben sie zuhause und stellten fest, da war es auch ganz schön.
.

Liebe Schmunzelgrüße von Bruni an Dich
PS So einfach ist es natürlich nicht, ich habe auch alles aus diesem Film vergessen bis auf das Verschwindenlassen restlos aller Waffen

von gabriele pflug am 15.4.17 - http://zichoriezauber.blogspot.com/

man hat unseren vätern schon vorher das leben genommen. eine ganze jugendzeit.
und das schreckliche: es wird einfach nie aufhören!

liebe ostergrüße
gabriele

von bruni am 15.4.17

oh, liebe PETRA,
dann hast Du es ja auch sehr intensiv miterlebt, dieses Trauma aus diesem verdammten und unvorstellbaren Grauen…
Lange ist es her und doch begleitet es uns noch immer.
Liebe Grüße an Dich nach Dresden

von bruni am 15.4.17

Ja, liebe DIANA,
sinnlos und nur mit viel zu großem Leid gefüllt, für alle, die damit in irgend einer Form in Berührung kamen…
Ganz herzlich Bruni zu Dir

von Priska Pittet am 15.4.17 - http://www.alltagschrott.ch

Liebe Bruni
So viele gebrochene Seelen, so viel Leid und Schmerzen. Und die Tragödie geht für die Familie weiter nach dem Krieg….Warum wir Menschen immer wieder mit Krieg anfangen….irgendwo….irgendwann….als ob das Leben nicht schon so kurz genug ist und unvorhergesehene Leiden bringt.
Herzlich. Priska

von petra am 14.4.17

Auch mein Vater gehörte zu den Menschen, die über diese Zeit kein Wort verloren haben.
Er schwieg und manchmal traten Tränen in seine Augen, wenn ein Film aus jener Zeit lief, und es wurden junge Männer, halbe Kinder, gezeigt.
Mein Vater war ein zutiefst gebrochener Mann. Er starb im Alter von nur 57 Jahren.
Heute kann ich verstehen, warum er so rast- und ruhelos war, aber als Kind bist du völlig überfordert.
Sehr nachdenkliche Zeilen, liebe Bruni.
Liebe Grüße an dich von Petra

von diana am 14.4.17 - http://versspruenge.wordpress.com

bewegende zeilen, liebe bruni, und ja, so verdammt sinnlos, das alles!
liebste grüße zum karfreitag,
deine diana

von bruni am 14.4.17

Lieber FINBAR,
Scheinbar gab und gibt es immer Menschen, die Kriege initiieren, weil es ihren Machtgelüsten entspricht u. es ist ihnen dabei egal, wen sie ins Unglück stürzen… Menschen gibt es ja genug ... Was für eine schreckliche Überlegung.
Mein Vater schwieg auch über seine Kriegserlebnisse, aber ich war immer neugierig und blätterte alle seine Alben durch, auch das tiefschwarze mit dem seltsamen Zeichen auf dem Einband und da waren sie, seine Erinnerungen. So schwarz wie der Einband. Ich erinnere mich nicht, daß ich mit jemand darüber geredet habe. All die Jahre lag es wie ein fester unverdaulicher Klumpen in mir. Und ich möchte weinen, während ich das schreibe.
.

Es wäre schlimm gewesen, lieber Finbar, hätten sie nicht überlebt u. mir vorzustellen, es gäbe weder Dich noch mich, ist schon wieder eine tiefscharze Überlegung in mir.
Doch ich grüße Dich ganz herzlich am *Feier*tag vor Ostern
Bruni

von Finbar am 13.4.17

Immer wieder kommen neue Kriegstreiber ans Ruder, liebe Poetin,
einst waren es Hitler und Stalin, nun heißen sie Assad und Kim…

Mein Vater war ein großer Schweiger vor dem Herrn, was seine Kriegserlebnisse anging. Doch hätte er nicht überlebt, wäre ich nie geboren worden!

Herzliche Frühlingsgrüße vom Finbar

von bruni am 13.4.17

Wir wissen nicht, wie wir damit fertig geworden wären, liebe ANNA-LENA ... Ich stelle mir vor, nicht gut.
Wie sich unser Leiden geäußert hätte, wissen wir auch nicht.
Aber eines wissen wir genau, nie wieder dürfte es Kriege geben, denn viel zuviel Grauen und Elend kommt mit jedem Krieg in die Welt.
Liebe Grüße an Dich von Bruni

Unsere Väter waren Menschen ihrer Zeit, liebe Bruni. Wie wären wir mit all dem fertig geworden, was sie tun mussten und getan haben?
Auch mein Vater war in gewisser Weise ein gebrochener Mann, der still gelitten hat und das Thema seines Lebens kaum angesprochen hat.

Liebe Grüße in die beginnenden Ostertage,
Anna-Lena

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