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In der Straßenbahn

Ausgestopft wirken sie auf mich oder
auch wie Schaufensterpuppen, die für
ein Panoptikum Modell sitzen


Das unerschöpfliche Thema heißt

* NeuZeit in den öffentlichen
  Verkehrsmitteln *


Stier der Blick und Knopf im Ohr


und hat man/frau Pech, reden sie
laut und hemmungslos mit einem
unsichtbaren Wesen, das kein Mensch
sieht… (Ich kann mir den Kopf ver-
renken, soviel ich will, da ist
keiner)

Doch mit ihm sind sie wohl in einer
Art Telepathie verbunden
Aber seit wann braucht Telepathie
Worte? Und dann so seltsame wie hier:


” Hab ich nich nee da war nix ahm
na ja lass de Scheiß  hä... “


Kurze Stille. Doch gleich gehts wieder
los…  *stöhn*


Staunend siehst und hörst du seltsame
Gespräche, die keine sind, nur Sprach-
fetzen, die scheinbar einer Art von
Verständigung dienen


Gegenüber sitzt Wort- und Blicklos,
Konturlos, doch in mir ganz und gar
nicht spurlos.
Kneifen gilt nicht, sonst würd ichs tun


Ich bin der staunende Zuschauer im neu-
zeitlichen Lebenskabarett und ich
frage mich, staune nur ich oder gibt
es noch andere, die sich so fehl am
Platze fühlen wie ich?


Stehe ICH abseits oder sind es die Aus-
gestopften, die vergessen haben, wie
ein menschliches Wesen lebt, wie es
sich verständigt, wie aus Lauten Worte
werden und sich aus Worten unglaub-
licherweise auch Sätze bilden können?


Wie das Lachen zwischen Menschen hin-
und herperlen kann?


Wer oder was ist krank?
Zieht hier die Gegenwart blank?
Zeigt sie mir hier das andere, das
echte Gesicht?
Gibt´s mich bald nur noch in einem
alten Gedicht?

 


Mittwoch, der 27. April 2016


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© Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 3.5.16

*lach*, liebe MARLIS,
tja, die jugendlich frische Ausdrucksweise hörte ich ja nur grin
Ich kann sie nicht, würde sie auch nicht bei mir mögen.
Es war mal wieder Menschenkunde, aber in der Straßenbahn *g*
Wie schön, daß ich Dich nun hier überall finde.
Es gefällt mir gut.
Liebe Grüße zu Dir von mir

Oh, liebe Bruni, hier gibst du es aber den Handy-Besitzern gewaltig - aber doch auch wieder nicht ganz zu unrecht, ziehst du recht hart mit ihnen in’s Gericht. Herrlich zu lesen, vor allem deine jugendlich-frische Ausdrucksweise grin und die garantiert, dass deine Vision, dass du am Rande stehst, nur noch in gedichteten Worten zu finden sein wirst, sich nie bewahrheiten wird!
Einen wunderschönen Frühlingstag mit perlendem zwischenmenschlichen Lachen wünsche ich dir!
Herzlichst,
Marlis

von bruni am 30.4.16

Tja, wo driftet sie hin?
Liebe ANNA-LENA, sie macht Kopfschmerzen, wenn man das alles sieht und beobachtet.
Wir haben ja fast alle so ein smartes Ding, aber wir starren nicht unentwegt hinein und erkennen, wie schön die Welt sein kann, wenn wir die Augen erheben und die Welt um uns erleben, wenn dann unser Blick nicht gerade wieder auf so einen starren Blick fällt…
Eine miese Entwicklung, die sich sehr heimtückisch ausbreitet, wie ein Flächenbrand, der alles frißt, was sich ihm in den Weg stellt.
.

Herzliche Grüße am Samstagmorgen an Dich
von Bruni

BRAVE NEW WORLD - bravo, lieber Lu, das war auch mein erster Gedanke!
Genau am Mittwoch saß ich in Berlin in der S-Bahn und U-Bahn und hatte ähnliche Gedanken, liebe Bruni. Ich kann sie nur nicht so perfekt formulieren wie du.

Ich habe angefangen zu zählen, wer noch ein richtiges Buch oder eine Zeitung bei sich hat oder wer sich noch miteinander unterhält.

Viele der sich Unterhaltenden sprachen über seltsame Dinge auf ihrem Smartphone oder Dingen, die damit zu tun hatten.

Arme Welt, wohin driftest du?

Liebe Grüße zum Wochenendbeginn,
Anna-Lena

von bruni am 29.4.16

*lach*, ich habe mich wirklich gewundert,
liebe MARION,
ich fahre ja nicht sehr oft Straßenbahn, aber hier fand ich so viel Seltsames auf einem Haufen, daß ich es irgendwie verarbeiten mußte…
Lachen hörte und sah ich niemand, nur diese starren Blicke in die Handys und das sinnlose Geplapper…

von Marion am 29.4.16

“Wie das Lachen zwischen Menschen hin-und herperlen kann?” Du schenkst gute Sätze zu deinen Beobachtungen, liebe Bruni. Gut, dass es immer Menschen gibt, die nicht einfach annehmen, sondern sich wundern und Fragen stellen.

von bruni am 28.4.16

Na ja, manchmal sehe ich auch ein Buch, liebe PETRA, aber es ist selten *g*.Die flachen handlichen Lieblinge sind reichlich in der Überzahl und werden wohl noch über Nacht bei ihrem Herrchen oder Frauchen im Bettchen liegen…
Liebe Grüße in die Nacht
von Bruni an Dich

von bruni am 28.4.16

Das ist es, liebe Gabriele, eine relativ kurze Momentaufnahme.
ich fahre ja nicht oft mit der OEG, wie sie hier heißt, aber immer fällt mir das gleiche auf und ich fühle mich wie in einer anderen Welt, die ich gespannt beobachte.
Herzliche Grüße an Dich
von Bruni

von bruni am 28.4.16

*lach*, vielleicht noch als sprechende App, laute Ansage. Meinst Du, es gibt noch keine, lieber FINBAR?
Kannst Du keine programmieren? In mehreren Sprachen, die wahlweise angeklickt werden könnten? Vielleicht suchen die Ausgestopften schon lange danach. Eine riesige Marktlücke erscheint vor meinem geistigen Auge grin
Und sehr herzliche Frühlingsgrüße von mir an Dich.
PS Morgen soll´s wärmer werden, ist das nicht toll?

von petra am 28.4.16

Deine Zeilen sind herrlich, liebe Bruni,
genauso ist es.
Nicht nur du bist ein staunender Zuschauer, mir geht es auch so. Und wenn ich dann mein Buch aus meiner Tasche hole, fühle ich mich etwas exotisch 😉.
Schmunzelnde Grüße in den Abend zu dir,
Petra

von gabriele pflug am 28.4.16 - http://zichoriezauber.blogspot.co/

was für eine feine beobachtungsgabe!
eine tolle momentaufnahme!!

liebe grüße
gabriele

von finbar am 28.4.16 - http://finbarsgift.wordpress.com

Hahaha, cool, liebe Bruni, die Idee mit der Erinnerungsapp *hahaha*

Herzliche Frühlingsgrüße vom Finbar

von bruni am 27.4.16

Es ist ja nur eine Momentaufnahme, lieber Finbar, aber es war reichlich Stoff zum Wundern *g* vorhanden.
Vielen Dank für Deinen ausführlichen und so richtigen Kommentar. Es ist schon verblüffend, wie sie alle auf ihre kleinen Apparate starren und ihnen nichts anderes mehr wichtig erscheint. Ihre Haltestellen finden sie aber immer grinVermutlich haben sie dafür eine Erinnerungsapp. Manchmal steigen sie Wortblasen blubbernd aus.
Liebe Grüße in die Nacht zu Dir

von finbar am 27.4.16 - http://finbarsgift.wordpress.com

Genau, so ist sie die
BRAVE NEW WORLD

Jetzt haben Apple und
Samsung und Konsorten
es wohl endgültig geschafft,
dass die Leute sich gegenseitig
immer noch weiter entfremden…

Furchtbar die heutige Zeit,
gelungen dein Meta-Poem dazu,
Herzliche Frühlingsgrüße
vom Finbar

von bruni am 27.4.16

Tja, das könnte man denken,
liebe BÄRBEL,
würde man nicht auch noch die anderen kennen, die, die so anders sind, aufgeschlossen, lernbegierig, höflich und aufmerksam dem Nächsten gegenüber. Manchmal brauchen sie einen Schubs, aber dann gehts.
Ich bin froh, daß ich selten die Staßenbahn benutzen muß. Was man/frau da erleben kann, ist schon sehr gewöhnungsbedürftig.
Liebe Grüße von Bruni an Dich

von minibares am 27.4.16 - https://minibares.wordpress.com

Liebe Bruni,
tja, diese Gesprächsfetzen habe ich auch schon erleben müssen.
Eine seelenlose Generation…
deine Bärbel

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