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Sahnige Erinnerung

Meine Oma hatte vier Schwestern und
die Geburtstage waren immer ein
großes Ereignis.
Ich liebte diese Kaffee- und Kuchen-
nachmittage sehr.
(Nach dem Kaffee gab es für alle
Damen ein kleines Gläschen Danziger
Goldwasser. Die kleinen tanzenden
Goldsprenkel sehe ich heute noch
vor mir)

Es gab viele leckere selbstgebackene
Kuchen und einen mochte ich noch mehr
als alle anderen. Es war der Quitten-
bisquit und zu jedem Obstboden gehörte
selbstverständlich frische geschlagene
Sahne, die ich im Milchgeschäft besorgen
durfte.

Das war eine sehr ehrenvolle Aufgabe,
die ich mit viel Lust und Liebe erledigte.

Lores Milchgeschäft lag am unteren
Ende des Geisberges, wir wohnten in
der Mitte, ich hatte also gut zu tippeln,
aber das tat ich gerne.

Die Milch wurde damals aus einem
großen viereckigen Edelstahlbehälter
in die mitgebrachten Kannen abgefüllt
und die flüssige Sahne kam aus einem
kleineren Behälter. Ich hatte einen ab-
gezählten Betrag dabei und sagte der
Lore, für wieviel Geld ich Schlagsahne
haben wollte.
Dementsprechend wurde abgemessen
und mit einem für mich kleine Maus beein-
druckend großen Quirl nun extra frisch
geschlagen.

Es reichte immer für eine große gläserne
Schüssel, die ich schon mitgebracht hatte.
Sie wurde hoch gefüllt und mit einem
kleinen viereckigen Blatt Pergament
abgedeckt.

Mit diesem Schatz ging es nun bergauf
und heimwärts, wo alle schon
sehnsüchtig auf mich warteten.

In beiden Händen trug ich meine große
Schüssel vor mir her und ich durfte nicht
davon naschen, ohwohl mir das Wasser
im Munde zusammenlief!
Ich schaffte es aber und war deshalb
auch jedesmal sehr stolz auf mich *lach*

 

Donnerstag, 12.  Febr.  2015


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© Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 1.11.18

Ahaa, Du warst also auch eine Naschkatze liebe CHRISTIANE grin
Milch konnten meine Töchter auch noch beim Bauer abholen, wenigstens die ältere erinnert sich gut. Tja, es sind gute Erinnerungen, die wir da haben. Ich mag sie sehr.
Ganz herzlich, Bruni

von Christiane am 1.11.18 - https://365tageasatzaday.wordpress.com/

Was für eine süße Geschichte!
Als ich noch sehr klein war, Vorschule oder maximal Grundschule, durfte ich auch abends vom Bauern Milch holen gehen. Staunend sah ich zu, wie die noch kuhwarme Milch gefiltert wurde und dann in die von mir mitgebrachte Milchkanne abgefüllt wurde.
Ich muss allerdings gestehen, dass die nicht immer so voll blieb, bis ich zu Hause war, und dass meine Mutter dann nicht wirklich glücklich mit ihrer Milchholerin war ...
Liebe Grüße
Christiane

von bruni am 2.6.15

liebe fee, der frankfurter kranz war auch mein lieblingskuchen, aber nicht bei meiner oma, dieser nur bei meiner mutter. er wurde an meinen geburtstagen gebacken u. ich habe ihn so in erinnerung wie du auch, der beste der welt. jeder spätere versuch, einen solchen zu bekommen, scheiterte…
vielleicht ein vergessenes rezept?

von Karfunkelfee am 1.6.15

Was für eine wunderbare Erinnerung!
Bei meiner Großmutter bog sich an Jahresfeiertagen auch die Tafel vor selbstgebackenen Torten und Kuchen, sie war eine wahre Meisterin.
Am liebsten mochte ich den Frankfurter Kranz, diese feine Creme…ich habe nirgendwo, in keiner Konditorei, jemals wieder so gute gegessen…
die Sahne schlug sie selbst, allerdings war diese schon aus dem “Konsum”, so hieß der Supermarkt.
Puh…ist das lange her…:)

von bruni am 21.2.15

*lächel*, das wär schön gewesen, aber das kleine Mädchen kam auch später nicht zu kurz u. die Vorfreude genoss ich schon damals sehr.
Sehr liebe Grüße an Dich, liebe Marlis ♥

von Marlis Hofmann am 21.2.15 - http://wederwill.wordpress.com

Eine wunderbare Geschichte! Man sieht das kleine Mädel tippeln, wie gern wäre ich die Verkäuferin gewesen und würde der Kleinen einen Klecks als Stärkung für den langen Rückweg geben.
herzliche Grüße,
Marlis

von bruni am 17.2.15

oh ja, ich erinnere mich noch gut, liebe Barbara. Ich weiß genau, wie es dort roch und noch heute liebe ich diesen sauberen besonderen Geruch, in den das ganze Geschäft getaucht war.
Herzliche Grüße zu Dir

von Worte sind wie Fenster am 16.2.15 - http://floreada2011.wordpress.com

Ich habe direkt noch den Geruch vom Milchgeschäft in der Nase.
Erinnerst Du Dich?

von bruni am 15.2.15

*lächel*, für mich war es keine Kleinigkeit, liebe Emily, für mich war das immer eine Riesenaktion grin
So, so, Du konntest also den Vanillepudding nicht schnell genug abkühlen sehen… Daaaas ist sehr verständlich. Wäre mir aber genau so gegangen.
Alles Liebe auch Dir von mir

von Emily am 15.2.15 - http://www.emily221.wordpress.com

Kleinigkeiten ganz groß! Interessant, dass Momente wie diese uns so in Erinnerung bleiben, manche Menschen aber nicht einmal wissen, wie viele Freunde sie auf Facebook haben wink

Ich denke da gerade an den warmen Vanillepudding, der erst abkühlen musste, bevor ich den Eischnee unterziehen durfte. Natürlich war das Naschen tabu! Aber dieser Duft…

Alles Liebe, Emily

von bruni am 14.2.15

Ja, liebe Diana, es ist eine der Erinnerungen, die mir lieb und wert sind, in diesem Falle erinnere ich mich genupßvoll daran zurück.
Herzlichst
Bruni

von diana am 14.2.15 - http://versspruenge.wordpress.com

hmmm, was für eine süße geschichte!
hab ich gern von genascht. smile
herzliche grüße zu dir!
diana

von bruni am 13.2.15

noch eines der braven Mädchen.
Liebe Bärbel, mir kam es eigentlich auch nicht in den Sinn, aber wirklich wegen dem Quittenbisquit, denn Schlagsahne auf dem war für mich so etwas wie der Himmel auf Erden u. um diesen hätte ich mich niemals bringen wollen… Vielleicht hätte es sich irgend ein “Erwachsener” als Strafe ausgedacht…
Lächelnde liebe Grüße an Dich

von minibar am 13.2.15 - http://minibares.wordpress.com

Liebe Bruni, ich musste auch immer sonntags zu einem Café, wo ich Sahne kaufen musste.
An Naschen habe ich nie gedacht, echt nicht.
deine Bärbel

von bruni am 13.2.15

Das ist aber auch eine wunderschöne Erinnerung, liebe PETRA.
Schöne alte Bäckereien mit besonderen Kuchen gbt es heute weniger. Zu viele sind standardisiert, ähneln sich zu sehr oder sind auch zu spartanisch von der modernzweckmäßigen Einrichtung her.
Aber es gibt auch noch genügend andere, wenn man ein wenig darauf achtet. Oftmals werden auch schon die zu modernen wieder auf einen anderen Stand gebracht. In HD fällt mir auf Anieb eine ein, bei der ich es mit großem Wohlgefallen bemerkt habe.
Tja, ich bin halt ein Süßschnabel. Da achte ich auf solche Unwichtigkeiten…
Lieber Gruß nach Dresden zu Dir

von bruni am 13.2.15

Tja es sind alles offene Geheimnisse, lieber FINBAR, die ich hier so munter ausplappere *lächel*
Es ist eine meiner schönsten Erinnerungen an meine Kindheit u. ich glaube, bei jedem Sahnehäubchen, das ich heute noch so gerne mit den obstigen Böden verputze, denke ich irgendwie daran…
Herzlichst
Bruni zu Dir

von petra am 13.2.15

Solche oder aenliche Erinnerungen hat wohl jeder aus seiner Kindheit.
Ich kann mich noch sehr gut an ein Erlebnis erinnern, was ich nicht vergessen kann.
Ich sollte vom Bäcker eine Buttercremetorte holen und vor allem sehr vorsichtig sein.
Kurz vor dem Gartentor ist sie mir doch noch runtergefallen und war eigentlich keine Torte mehr, aber am Ende wurde sie doch gegessen…
Solche Erinnerungen sind sehr schön, und ich denke heute noch oft daran, wenn ich zum Bäcker gehe.
Liebe Bruni, ich wünsche dir ein schönes Wochenende mit viel Sonnenschein.
Herzliche Grüße
Petra

von finbar am 13.2.15

Ach wie schön…

Ich freue mich sehr über deinen märchenhaften persönlichen Eintrag!

Ein Stück verbale Sahne grin
Herzlich, Finbar

von bruni am 13.2.15

*kicher*, was für schöne Erinnerungen, liebe MATHILDA. Die kleinen Ferkel mochte ich auch sehr, aber ich traute mich nie so nahe ran, daß ich sie hätte auf den Arm nehmen können. Vor der riesigen Muttersau hatte ich zu großen Respekt.
Beim frischen Brot konnte ich auch nicht widerstehen. Das MUSSTE man einfach anbeißen, das ging nicht anders grin Bei der Schlagsahne wartete ich ja auf den Quittenbisquit…
Liebe Grüße in Deinen Abend von Bruni

von bruni am 12.2.15

Dann wart Ihr ein moderner Haushalt, liebe ANNA-LENA. Bei uns gab es später dieses Handrührgerät (und ich drehte die Sahne darin solange, bis sie wunderschön aussah *lach*),aber damals noch nicht.
Ach, und Du hast das Sauerkraut weggegessen? Auf dem Weg nachhause…Ja, ja., das traue ich Dir ohne weiteres zu grin, erinnere ich mich doch auch an Streiche, die Du aus dem Klosterinternat schon mal gebeichtet hast…

von Mathilda am 12.2.15 - http://einfachtilda.wordpress.com

Sahne mußte ich nicht holen, die wäre im Sommer bestimmt sauer geworden, aber Milch gab es täglich vom Bauern und da konnte ich mich lange aufhalten und in die Schweineställe gucken.Ferkel waren ja so süß, überhaupt fand ich alles interessant und Trecker fahre konnte ich auch *stolzbin*
Vom Kaufmann frisches Brot holen, aber ich war so frei und biss ordentlich in den Knust. Schimpfe gab es, war mir aber egal *ggg*

GLG Mathilda

An solche Treffen bei meiner Lieblingsgroßtante denke ich auch gern zurück. Zum Glück durfte ich keine Sahne holen (die wurde selbst geschlagen). Ich hätte der Versuchung nicht wiederstehen können.

Allerdings musste ich als Kind öfters in einem Tante-Emma-Laden etwas holen. Für 5 Pfennige holte ich mir einen Batzen Sauerkraut, frisch aus dem Fass und bis ich zuhause war, hatte ich alles restlos aufgegessen grin .

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



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