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Der letzte verpasste Termin

Entschuldigen sie bitte,
daß ich mich lange nicht meldete
und mein von mir so ersehnter
Termin unentschuldigt verstrich


Es ist sonst nicht meine Art,
jemanden einfach so zu versetzen.
Doch bei mir tat sich sehr viel.
Es war ein schwieriges Spiel, das
laut nach mir rief und alle meine
Energien beanspruchte


Ich hing an feinen Schläuchen und
kopfüber hängenden Flaschen -
völlig steril. Die Menschen um mich
herum trugen viel Grün


Nach und nach wurde mir dann aber
doch dieses ständige Piepsen, das
Flackern, das Blinken all dieser
Lichter zu viel.
Es störte mich mehr und mehr.


In einem guten Moment - ich mußte
sehr aufmerksam sein, um ihn nicht
zu verpassen -  schloß ich meine
inzwischen völlig übermüdeten Augen,
erkannte die völlige Stille in mir,
dieses wunderbar gute Gefühl und
hatte endlich meine Ruhe und alle
Zeit der Welt, um ihnen diese schon
so lange fälligen aufklärenden Zeilen
zukommen zu lassen


Entschuldigen sie bitte, es wird
nie mehr geschehen…

 


Sonntag, der 15. Febr. 2015


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© Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 2.6.15

ja, liebe fee, es war endgültig, was hier passierte u. ungeschehen kann es nun keiner mehr machen…

von Karfunkelfee am 1.6.15

Bei diesen Zeilen läuft es mir eisig kalt den Rücken herunter, so dermaßen endgültig klingen sie und ich möchte nicht wissen, wie oft sie zutreffen…genauso, wie Du es beeindruckend in Deine Worte fasstest…

von bruni am 21.2.15

Danke für Deine fröhlichen Abendgrüße, liebe Marlis. Du hast recht, ich habe mit leichter Ironie geschrieben, eigentlich ohne traurige Gedanken u. man muß sehr genau lesen, um es zu erkennen.
Ich freue mich immer, wenn es jemand entdeckt *lächel*
Herzliche Grüße an Dich

von Marlis Hofmann am 21.2.15 - http://wederwill.wordpress.com

Liebe Bruni, ich kann mich hier nur den Worten von Diana anschließen, traurig und tröstlich. Man möchte fast sagen, humorvoll, das in ein Anschreiben zu verpacken, wenn man in diesem Zusammenhang den Begriff Humor verwenden darf.Man verabschiedet sich höflich von dieser Erde, nicht ohne sich zu entschuldigen…
Trotz beginnender Dämmerung schicke ich dir frohgemute Grüße, trotz tiefsinnigem Text einfach heitere Abendgrüße, auf dass dir fröhliche Gedanken kommen!
herzlichst, Marlis

von bruni am 17.2.15

Ja, lieber Helmut, manchmal gibt es gute Verpflichtungen, die uns fordern u. wachrütteln, aus einer gewissen Lethargie befreien…
Herzliche Grüße an Dich von mir

von Helmut am 17.2.15 - http://www.maier-lyrik.de/blog

Erst im Tod erlöschen alle Verpflichtungen. Im Leben geben sie uns aber manchmal Lebendigkeit.

Liebe Grüße
Helmut

von bruni am 17.2.15

Liebe Fee, etwas makaber fand ich meinen Text, aber nicht wirklich dunkel, sondern am Ende war es eine gute Ruhe,die ihn umfing, meinen Patienten, der mit einem Herzinfarkt eingeliefert wurde u. nun auf der Intensivstation intensiv versorgt u. überwacht wurde. Lies mal meinen Kommi zu Anna-Lena, dann weißt Du, wie er zustande kam. Manche eigentlich sehr wichtigen Termine hat man erst nach langer Wartezeit u. was kann in dieser alles passieren…
Herzliche Grüße von Bruni

von Karfunkelfee am 17.2.15

Du meine Güte, was für ein dunkler Text.
Es scheint, es liegt auch an der Wintermüdigkeit, der Kälte, dass Gedanken daran kommen, wie wert ein Leben ist. Einer, der geht, weil die Kraft versiegt und sich im letzten Atemzug noch an jemand anderen entschuldigend wendet? Wenn Grün kein Hoffen mehr bringt, sondern am Tod resigniert. Die sterbliche Hoffnung und die Einsamkeit, sehr beeindruckend bebildert auf dem Op-Tisch…liebe Grüße…

von bruni am 16.2.15

Liebe Diana, wie gut, daß Du es auch so gelesen hast, wie ich es tatsächlich meinte… Es sollte durchklingen, aber nicht ZU deutlich sein. Ich denke, diese Mischung ist nicht auf Anhieb zu durchschauen *lach*. Es sollte tatsächlich eher ein Text sein, der diese Ruhe danach als etwas Gutes erkennen läßt.
Herzliche Grüße zu Dir von mir

von diana am 16.2.15 - http://versspruenge.wordpress.com

wow, bruni, das sind starke zeilen.
ach—- traurig und doch auch tröstlich!
auf jeden fall so in worte gefasst, dass es berührt, sehr berührt und doch—- irgendwie etwas leichtes, erleichterndes an sich hat.
sehr gelungen.
mit ganz lieben grüßen
diana

von bruni am 16.2.15

Liebe PETRA, vielen Dank für Deine guten Worte. Es freut mich, daß Du schmunzeln mußtest, denn auch das hätte ich gerne bei den Lesern meines ernsten Textes erreicht.
Die Würde jedes einzelnen Menschens ist unermeßlich wichtig u. ein Wunsch, der immer erfüllt werden sollte. Etwas anderes sollte es nie geben.
Liebe Grüße zu Dir von Bruni

von bruni am 16.2.15

Liebe ANNA-LENA, Du findest es gruselig? Ich war so mit Schreiben beschäftigt, daß ich über so etwas gar nicht nachdachte.
Ich machte beim Kardiologen einen Termin u. der erste, den sie frei hatten, war in etwas mehr als zwei Monaten. da gingen mir diese Gedanken im Kopf herum.
Bei mir ist es ja nur ein kleiner Kontrolltermin, aber ich stellte mir vor, was theoretisch u. evtl. auch in der Realität in dieser Zeit alles passieren könnte…
Auch Dir einen unbeschwerten Tag. Ich vermute aber, Deine Ferien sind schon wieder vorbei u. das unbeschwerte Dasein winkt Dir aus der Ferne zu grin

von bruni am 16.2.15

Ja lieber FINBAR, manchmal müssen wir uns zu diesem schwierigen Thema äußern, es liegt uns auf der Seele. Ich machte es mal auf eine etwas ungewöhnliche Weise.
Mein wortbehagen guckte auch etwas verblüfft, als es erkannte,  mit was ich da wie ankam, aber dann nickte es heftig u. gab mir seine Einwilligung *lächel*
Liebe Grüße an Dich von Bruni

von petra am 16.2.15

Liebe Bruni, wenn dies auch ein ernstes Thema ist, so ist es dir mit deinen Zeilen gelungen, ein wenig zu schmunzeln.
Wie es einmal sein wird am Ende, das weiß keiner im Voraus, aber jeder sollte die Möglichkeit haben, in Würde von dieser Welt gehen zu können.
Herzliche Grüße
Petra

von Anna-Lena am 16.2.15 - http://visitenkartemyblog.wordpress.com/

Ein wenig gruselig, aber so gut nachzuempfinden, liebe Bruni.
Einen unbeschwerten Montag wünsche ich dir grin .

von finbar am 16.2.15

Ein für wortbehagen ungewöhnlicher, auch geheimnisvoller Text, liebe Bruni, aber auch im Finbar habe ich mir ja neulich mal ein paar Gedanken dazu gemacht…
Es ist immer mal wichtig…
Liebe Morgengrüße vom
Finbar

von bruni am 15.2.15

Ach, Mathilda, es wäre schön, wenn man im Kreise der liebsten Menschen gehen könnte, in seiner letzten Erdensekunde, aber meist kommt es ja anders als man/frau denkt…
Aber hier schreibe ich doch nur einen Text, der etwas suggeriert, was bei uns noch lange nicht eintreten wird
Liebe Grüße an Dich

von Mathilda am 15.2.15 - http://einfachtilda.wordpress.com

Jetzt war ich aber doch erschrocken!!!
In einem Krankenhaus möchte ich meine Ruhe für immer nicht finden, lieber im Kreis der Familie, aber leider kann man sich das nicht immer aussuchen.

GLG Mathilda ♥

von minibar am 15.2.15 - http://minibares.wordpress.com

Da bin ich ja echt erleichtert, liebe Bruni.
Alles klar, da kann ich ja aufatmen.
deine Bärbel

von bruni am 15.2.15

Nein, liebe Bärbel.
Es handelt sich um einen fiktiven Text . Und es geht um die Ruhe für immer.
Liebe sonntägliche Grüße von Bruni

von minibar am 15.2.15 - http://minibares.wordpress.com

Liebe Bruni, du warst im Krankenhaus?
ich hoffe nicht.
Wenn doch, dann alles Gute ♥
deine Bärbel

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