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Ein Samstag im Juni

Ein Samstag mit Regen und
grauem Himmel und so bleibt
es bis in den späten Nach-
mittag. Dann plötzlich erwärmt
sich die Luft, weil die Sonne
meint, nun hätte sie sich
lange genug zurückgehalten,
berstet vor Tatkraft und zeigt,
daß sie da ist.


Es wird ein milder Vorabend.
Heidelbergs Gäste haben sich
zum großen Teil in Gaststätten
und Kneipen zurückgezogen,
sogar der Philosophenweg
gehört mir alleine.
Die wenigen Unermüdlichen,
denen ich begegne, ignoriere ich
und tue so, als würde ich nie-
manden sehen.


Auf der Höhe des Schlosses,
also gegenüber, auf der anderen
Neckarseite, setze ich mich
gemütlich auf eine Bank, die
sogar eine feine Lehne hat, 
nicht, wie im schönen Schloß-
park, wo man sie der
Modernität geopfert hat.


Ich blicke hinunter auf den
Neckar, der mir schon zuwinkt,
wenn er mich sieht, so gut
kennt er mich inzwischen.
Ich genieße den Märchenblick
und die Stille um mich herum,
bis ein großer Vogel meine
Aufmerksamkeit erregt durch
sein auffälliges Federkleid.


Im grünen Blattwerk eines
Mandelbaumes läßt er sich
nieder,  aber nicht leise und
dezent, wie es sich für einen
vorsichtigen Vogel gehört,
sondern so, daß im Baum an
einer besonders dichten Stelle
ein kleiner Blättersturm entsteht.


Ab und zu sehe ich seine wunder-
schönen roten Bauchfedern auf-
tauchen, dann wieder seine
schwarz-weiße Kopf- und Rücken-
zeichnung, die mich durch ihre
Extravaganz an Haute Couture
erinnert und durch seine heftigen
Bewegungen wird mir langsam
klar, daß es sich hier nur um
einen Buntspecht handeln kann,
der eine Delikatesse entdeckt
hat.


Plötzlich fliegt er hoch, überquert
den Weg und läßt sich in einem
Haselstrauch nieder, der sehr hoch-
gewachsen ist und ziemlich ver-
wildert aussieht.
Da erwartete ihn wohl schon seine
Buntspechtdame und die beiden
veranstalten jetzt ein großes Hallo.


Wieder geht ein wildes Geklopfe los,
die Zweige biegen sich und ab und zu
fliegen unreife Haselnüsse auf den
Weg. Genau so scheinen sie dem
Pärchen zu schmecken.  An den
gefallenen Nüsschen kann ich gut
erkennen, wo es schon geschmeckt
hat, denn da ist ein tiefes Loch
entstanden.


Ein Handvoll habe ich als Beweis
mitgenommen und zuhause
fotografiert, denn ausnahmsweise
hatte ich meinen fotografischen
Apparat einmal nicht dabei…


Sonntag, 29. Juni 2014


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© Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 1.7.14

hm, das ist komisch, lieber Klaus.
Eigentlich müßte das Kommentieren immer klappen…
Dir einen lieben Gruß von mir

von Klaus am 1.7.14 - http://kowkla123.wordpress.com

Ich hätte gerne das letzte kommentiert, ging aber leider nicht, das hier ist auch echt wunderschön,  einen guten Tag, Klaus

von bruni am 30.6.14

Er war mir so wichtig, dieser Moment, liebe Emily, daß ich ihn einfach festhalten MUSSTE.
Dir liebe Grüße und eine gute Woche von Bruni

von Emily am 30.6.14 - http://emily221.wordpress.com

Einen schönen Moment mit Worten eingefangen und mit uns geteilt.
Herzliche Grüße zum Wochenbeginn, Emily

von bruni am 30.6.14

Einen schönen guten Morgen, lieber Finbar.
Ich danke Dir sehr für Deinen feinen Kommentar u. auch ich habe ihn jetzt auch nochmal gelesen, meinen eigenen Text *lächel* Ein Textbild - was für ein schöner Begriff. Ich glaube, er passt vorzüglich zu dieser kleinen Geschichte über den ungewöhnlich leeren Philosophenweg und das betriebssame Buntspechtpärchen.

von finbar am 30.6.14 - http://finbarsgift.wordpress.com

beneidenswert, liebe Madame de la Poésie, den Weg der Philosophen bis auf ein Buntspechtpärchen ganz für sich zu haben und sich auch ohne die geliebte Kamera mal daran sozusagen nackt bis auf die Haut zu laben…

diesen zeitlos schönen Text habe ich gleich drei Mal in Folge gelesen und nun verinnerlicht…
zauberschön gemaltes Textbild!
Herzlich
Finbar

von bruni am 29.6.14

Es war ein Erlebnis,das mir sehr gefallen hat, liebe Diana. Alles war anders als sonst dort oben, irgendwie unwirklich und das gefiel mir so gut.
Herzliche Grüße zu Dir

von diana am 29.6.14 - http://versspruenge.wordpress.com

schööön.
das sind diese besonderen momente ... fein hast du diesen hier eingefangen, liebe bruni!
mit lieben nachtgrüßen
diana

von bruni am 29.6.14

ja, es war ein feines kleines Erlebnis, liebe Bärbel u. ich wollte es unbedingt festhalten…
Dir liebe nächtliche Grüße von mir

von minibar am 29.6.14 - http://minibares.wordpress.com

Liebe Bruni, wie schön, dass du den Philosophenweg für dich allein hattest.
Wir waren damals auch größtenteils allein.
Dein Erlebnis mit dem Buntspecht ist ja wunderbar, und dann noch seine Partnerin dazu.
Besser geht es ja gar nicht. Super, dass du die Nüsse mitgenommen hast.
Kann man gut sehen, wo sie reingebissen haben.
Sowas erlebt man echt, wenn man still ist.
deine Bärbel

von bruni am 29.6.14

Es war ein interessantes Erlebnis, liebe Anna-Lena. Ich hatte die Muse, still zu sitzen und alles auf mich wirken zu lassen. Keine Touristenströme drängten sich um mich und verdarben mir den feinen Anblick.
Du hast also auch Haselnüsse gefunden, die bei Dir vermutlich der Wind vom Strauch gewedelt hat… Ich mußte aufpassen, daß ich sie nicht auf den Kopf bekam *lach*
Eine gute Nacht wünsche ich Dir, liebe Anna-Lena

von Anna-Lena am 29.6.14 - http://visitenkartemyblog.wordpress.com

Ich habe dich gern begleitet, liebe bruni und bin voller Freude darüber, was ich sehen konnte.
So ein Foto habe ich heute auch gemacht, in einer Regenpause, ohne Sonne.

Gute-Nacht-Grüße von mir zu dir,
Anna-lena

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