Startseite | Kontakt | Impressum

Bescherung

Als Weihnachten verschwand
ging ein Ruck durch das Land

Manch einer seufzte tief,
weil der Alltag ihn rief,
doch bei vielen hörte es
sich auch verdächtig nach
Aufatmen an

Aber das konnte nicht sein,
liebten sie doch alle
Kerzenschein und den Glanz
festlicher Tage

Was also war geschehen?

Dauerte die Vorfreude zu lange,
wurde die Erwartung künstlich
geschürt durch geschmückte
Straßen, Weihnachtsmärkte und
Schaufenster, die zeigten, was
das Herz begehrt?

Obwohl das Herz bisher nicht mal
wußte, was es begehren könne,
wurden ihm nun die Wünsche
hinterhergetragen, sie bauten
sich vor ihm auf und brachten
es drauf, was es bisher schmerz-
lich entbehrt hatte.
Es begann zu wünschen mit all
seiner Kraft und seine
Erwartungshaltung stieg ins
Unermeßliche.

Als dann aber die Bescherung kam
am Heiligen Abend, nach den
langen hoffenden Wochen, da war
es oft genug nur noch eine böse
Bescherung, die wenig erfüllte,
Tränen und Ärger brachte,
geflüsterte Lügen, lauthals
herausgeschrieener Frust…
und jede Menge Mißverständnisse

Fetzen von Geschenkpapier flogen
in die Ecken und die Müllabfuhr
bekam mehr als genug zu tun

Da verschwand Weihnachten und wurde
verbannt in den uralten spinnenver-
hangenen Schrank auf dem Dachboden


bis zum nächsten Jahr…


Am Abend des zweiten Feiertages,
Freitag,  26. Dez. 2014

 


image
© Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 29.12.14

tja, liebe Petra, zu Weihnachten noch schnell ein Mäntelchen aus Nächstenliebe, das dann sofort zerfällt nach den feierlichen Tagen.
Das ist sie nicht, die Liebe zum Nächsten, das ist Selbstbetrug, nichts weiter…
Liebe Grüße aus dem Bergstraßenschnee von Bruni

von Petra am 29.12.14

Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung von Weihnachten, und die sollte er auch leben.
Was mich stört, ist, dass zu disem Fest bei vielen die sogenannte “Nächstenliebe” erwacht, und was ist mit den anderen Tagen im Jahr?
Herzliche Grüße zu dir, liebe Bruni,
Petra

von bruni am 28.12.14

Lieber Finbar, schön reden wäre dumm, aber die Ansichten über das Fest der Feste gehen doch weit auseinander u. verletzen möchte ich niemanden.
So wie wir beide, denken auch viele andere u. letztendlich gibt es da so vieles, was abstößt und doch auch manches, was dafür spricht.
In Bausch und Bogen sollte es nicht verurteilt werden, dieses weihnachtliche Fest, aber verändern sollten wir einiges.
Liebe Grüße am Sonntag nach Weihnachten
von Bruni zu Dir

von finbar am 28.12.14

Eine gelungene Weihnachtskritik, liebe Bruni, in lyrischer Prosa, der ich natürlich heftigst zunicke, bin ich ja vollkommen deiner Ansicht und auch der deiner Kommentar-Freundinnen…
Herzliche Grüße vom Finbar

von bruni am 27.12.14

Ich glaube, liebe Bärbel, das Singen mit dem Chor bringt Dir eine große Zufriedenheit u. was außer Zufriedenheit braucht es noch?
Herzliche Grüße von Bruni zu Dir

von minibar am 27.12.14 - http://minibares.wordpress.com

Liebe Bruni, wer nicht weiß, was Weihnachten wirklich ist, der baut nur auf Geschenke und Deko.
Dann ist die Enttäuschung natürlich riesig. Denn gerade solche Personen erwarten Unvorstellbares, würde ich meinen.
Mir reicht es, in der Kirche die Heilige Nacht zu feiern.
Gestern dann mit dem Chor wundervolle gesungen. Das macht Freude.
deine Bärbel

von bruni am 27.12.14

*lächel*, ja, liebe Diana, dieser Schal wird mich nun alle Winter begleiten.
Er kam von Herzen, das ist ihm deutlich anzusehen, denn er lächelt und strahlt u. erhellt allerlei trübe Gedanken.
Das Soziale bleibt im Weihnachtskonsum völlig auf der Strecke, das ist deutlich zu erkennen. Wenn die Mitmenschlichkeit während des gesamten Jahres eher abnimmt als zunimmt, wie soll sie dann plötzlich in der Weihnachtszeit wieder auferstehen?

von diana am 27.12.14 - http://versspruenge.wordpress.com

ps: ja, und das ist auch weihnachten: geschenke, die von herzen kommen!
der schal wird dich immer wärmen. smile

von diana am 27.12.14 - http://versspruenge.wordpress.com

naja, sagen wir, ich meine den sinn der (nächsten-)liebe. also eher einen sozialen aspekt. smile

von bruni am 27.12.14

Du meinst, der christliche Sinn, liebe Diana? So ist es wohl, aber das Traditionelle daran mag ich, das Lichterfest mitten im winter, alles andere mag ich wirklich nicht. Es macht mich mehr traurig als fröhlich, zieht mich in ein Loch u. läßt mich nicht frei. Es gibt zu vieles, was falsch daran ist, aber auch Dinge, die ich nicht missen möchte.
Eine schwierige Kiste und nun ist dieses Fest vorbei und wir sind in der Zeit *zwischen den Jahren*. Das ist gut.
Und ich werde mein schönstes Weihnachtsgeschenk, einen selbstgestrickten Schal von meiner jüngeren Tochter so oft wie möglich und mit großer Freude tragen.
Herzliche Grüße von Bruni

von diana am 27.12.14 - http://versspruenge.wordpress.com

... verschwand nicht der wahre sinn von weihnachten schon längst ...?
leider ein allzu wahrer text, liebe bruni.
anna lena sagt es sehr schön! weihnachten geschieht in uns selbst. und wenn wir das begreifen, können wir auch das glück darüber hinaus tragen, mitnehmen, weitergeben. smile
ganz liebe nicht-mehr-weihnachtsgrüße, doch von herzen,
diana

von bruni am 26.12.14

Weihnacht in uns selbst.
Was für ein schöner Gedanke, liebe Anna-Lena. Güte und Mitmenschlichkeit, nicht nur unter dem Weihnachtsbaum, das wünsche ich mir, Nachdenken um den Anderen, niemanden gedankenlos verletzen, das ist es doch, was das Herz begehen sollte, aber diese Eigenschaften liegen nicht in der Auslage von Edelboutiquen.
Sie werden nirgendwo angeboten u. als Gewürz im Glühwein sind sie auch nicht enthalten…

Weihnachten hat auch gute Züge, aber dieser Konsumrausch, die allgemeine Hetze, das alles hat mit dem Sinn eines traditionellen wärmenden Festes mitten im Winter nichts zu tun.

Danke für Deine Gedanken anregenden Worte und herzliche Grüße von Bruni

So lange der Mensch nicht versteht, dass Weihnachten in uns geschieht, kann es ein böses Erwachen geben!
Was für eine Bescherung!!!

Mit zufriedenen Weihnachtsgrüßen
Anna-Lena

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



image image image image