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Einsam

Am oberen Fenster
ein blasses Gesicht
tagaus und tagein
Eine alte Frau
scheinbar allein


Ihre Haare sind strähnig
ihre Züge verhärmt
vom Leben gebeugt die
knöchernen Schultern


Sie betrachtet die Menschen,
doch nie kam ein einziger
Blick zu ihr zurück
Sie wird nicht gesehen
still wie sie ist.
Nie klopft sie und wem
sollte sie winken?


Sie steht vom Morgen
bis in den Abend hinein
Dann wird es dunkel,
das Licht gelöscht


Am Tage darauf ist
ihr Fenster leer
Sie kommt nicht wieder
Das Fester bleibt leer

 


Dienstag, 5. Aug. 2014


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Text u.Foto Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 3.9.14

Liebe Marlis,
es ist eine dieser wundervollen Erinnerungen, die uns begleiten, an die wir immer gerne zurückdenken.
Wie gut, daß Du sie dann mal besucht hast, die alte Dame. Sie wird Deinen Besuch bei ihr mitnehmen, dorthin, wo sie nun vielleicht schon hingegangen ist.
Einen lieben Nachmittagsgruß von Bruni

von Marlis Hofmann am 3.9.14

Liebe Bruni, eindrücklich und sehr traurig sind deine Zeilen und doch erinnern sie mich an etwas Schönes aus meiner Studentenzeit. Unser Wohnheim stand gegenüber eines großen Altenheimes und dort stand tatsächlich meist eine solche alte Frau am Fenster. Doch sie hat gewunken, einfach so. Und ich habe zurückgewunken, anfangs verschämt, wenn ich allein war, später dann wurde es ein selbstverständlicher Gruß. Kurz vor Semesterende hab ich sie dann einmal besucht, ob sie überhaupt wusste, wer ich bin, weiß ich nicht, aber wir haben uns freundlich unterhalten.
Liebe Grüße an dich und Danke für das schöne Gedicht, das mich zurückgeführt hat zu dieser Erinnerung.
Marlis

von bruni am 9.8.14

Das mache ich, liebe Barbara, ich erfinde eine kleine Geschichte von etwas, was ich schon manchmal beobachtet habe, und ich spinne meine Gedanken um diese eine alte Frau in meinen Zeilen. Falten hat sie hier absichtlich keine, weil ich dachte, die erschafft die Fantasie dessen, der liest. Und damit hatte ich Recht, Du hast sie automatisch “mitgelesen” *lächel*
Liebe Grüße von Bruni

Die Falten der alten Frau - sind Falten des Lebens. Verhärmt sagst Du? vom Leben gebeugt?
Wir können nur spekulieren - im Spiegel die eigenen Gedanken.

Liebe Bruni, liebste Grüße von
Barbara

von bruni am 9.8.14

ja, liebe Monika, man/frau kann es oft beobachten u. dann die vielen Fälle, von denen man gar nichts bemerken kann, weil sich diese Menschen nicht mal mehr an ein Fenster begeben, vielleicht auch gar nicht mehr ohne Hilfe können…

Da verbirgt sich so viel Schlimmes, auch in Häusern, die äußerlich so friedlich wirken, vom Elend darin sieht und hört man nichts…
Grüße am Sonntag an Dich

von syntaxia am 8.8.14 - http://webloggia.wordpress.com

Und leider beschreibst du keinen Einzelfall, liebe Bruni!

..grüßt dich Monika

von bruni am 8.8.14

Danke, liebe Anna-Lena, von einer Frau, die eben wieder an einem neuen Buch werkelt, freut es mich besonders.
Manchmal muß frau einen traurigen Stoff behandeln u. ich tue es hier auf meine Weise. Es freut mich sehr, wenn es mir geglückt ist, rüberzubringen, was ich zu sagen hatte…
Dir herzliche Grüße am fortgeschrittenen Morgen von Bruni

von Anna-Lena am 7.8.14 - http://visitenkartemyblog.wordpress.com

Großartig, wie du das in Worte gefasst hat, was so häufig in unserer Gesellschaft geschieht.

Liebe Grüße Anna-Lena (die momentan mehr offline arbeitet) . Alles ist gut grin

von bruni am 7.8.14

ich bin froh, daß es mir gelungen ist, das auszudrücken, was ich wollte:
Dieae unendliche Traurigkeit wollte ich zeigen, mit der ein Leben oftmals sehr, sehr langsam zu Ende geht…
und niemandem fällt es auf

Liebe Grüße an Dich, liebe Diana

berührende nachdenkliche zeilen, meine liebe. ein trauriges, eindrückliches portrait ist dir hier gelungen.
hallt nach ...
mit lieben grüßen
diana

von bruni am 6.8.14

Lieber Finbar, ja, ich denke, das Lesen bei ihm hat mir diesen Gedanken eingegeben und er lag ja auch sehr nahe, sehen wir doch immer mal wieder einen Menschen alleine hinter einem geschlossenen Fenster, oder, wie ich es beobachtet habe, im Rollstuhl, der morgens rausgefahren wurde, vor die Tür, neben die Treppe u. da stand sie sehr lange. Bis zur Straße waren es noch viele Meter, es war noch ein Garten dazwischen u. nie sah ich jemanden sonst dort, nur die Frau im Rollstuhl, blass und still. Gedanken machte ich mir erst darüber, als ich plötzlich Hektik dort spürte u. sah, wo vorher Stille war u. nun sehe ich die Frau nicht mehr… Herzliche Grüße zu Dir von mir

von bruni am 6.8.14

Liebe Petra, da wirst Du sehr recht haben, denn die Einsamkeit dieser Menschen fällt ja nicht auf, ist doch immer jemand an ihrer Seite u. doch ist da die innere Einsamkeit, die sie fühlen und an ihr leiden…, die sie zermürbt…
Liebe Grüße nach Dresden von Bruni

von petra am 6.8.14

Liebe Bruni, sehr einfühlsam sind deine Zeilen. Es gibt aber auch Menschen, die nicht alleine sind. Einen Partner an ihrer Seite haben und trotzdem sehr einsam leben.Diese Menschen werden noch weniger von ihrer Außenwelt wahrgenommen.
Liebe Grüße zu dir Petra

von finbar am 6.8.14

Das Destillat einer Disputnik Kurzgeschichte, liebe Bruni, das mir SEHR gut gefällt…
Da kommt eine beeindruckende Stimmung rüber, klasse!

von bruni am 6.8.14

es ist kein schönes Bild, das ich hier entstehen lasse, liebe Bärbel, aber auch diese Bilder sind wichtig, weil Lebensbilder…
Manchmal sieht man einen älteren Menschen an einem Fenster u. man macht sich kaum mal Gedanken über ihn. Plötzlich drängte es sich mir auf, dieses eine Bild von vielen…

von minibar am 6.8.14 - http://minibares.wordpress.com

Oha, es geht ihr mindestens schlechter.
Arme alte Frau.
nie jemandem gewunken, damit eine Reaktion zu ihr kommt.
Nur geschaut.
Nun kann sie es wohl nicht mehr, liegt vermutlich einsam, noch einsamer da und wartet auf ihr Ende, kann ich mir vorstellen.
Möge sie leicht einschlafen.

von bruni am 6.8.14

ja, liebe Astrid, leider ist es wohl oft genug so. Die großen Familien sind weggebrochen, die Kinder ausgeflogen, hinaus in die Welt, in den alten Häusern bleibt ein einsamer Mensch zurück…
Einen lieben Gruß von sehr nachdenklicher Bruni

von Astrid Bergmann am 6.8.14 - http://astrid-bergmann.blog.de

Liebe Bruni,

das Alter macht einsam, alle Weggefährten sterben weg und die Familie ist meist mit sich beschäftigt.
Ich habe viele selbst kennengelernt durch mein Ehrenamt, oft ist es sehr einsam so wie du es beschreibst.
LG
Astrid

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