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Das Treppenhaus

Mein Elternhaus hatte ein großes,
altes und kaltes Treppenhaus.
Im Sommer war das sehr angenehm,
aber im Winter früchtete ich es, bis
dann endlich eine wärmende Heizung
eingebaut wurde.


Es hatte früher sehr schöne hölzerne
Dielen, die später leider von einem
gräßlich gemusterten Teppich bedeckt
wurden, der mit goldigen Stangen an
jeder Stufe befestigt war.
Leider rutschte er manchmal hin und her,
aber scheinbar störte es außer mir
niemanden.


In der Mitte des Treppenhauses gab
es einen Absatz, einen Ruheplatz mit
einem Fenster zum Hof und zum Garten.
Dort standen Pflanzen, die meine Mutter
liebevoll pflegte und es war der Park-
platz für meinen Puppenwagen.
Er war lindgrün und verschwand später
spurlos. Ich konnte nie ergründen,
was mit ihm passiert war.


Ich mochte dieses Teppenhaus, das ein
zentraler Punkt im Haus war.
Im oberen Stockwerk, vor den Zimmern,
mündete es in einen breiten offenen Flur
mit einem schützenden Geländer, an dem
ich zum Entsetzen meiner Mutter und
meiner Oma oft genug irgendwelche
Turnübungen ausprobierte. Zwischen den
einzelnen Stäben hindurch konnte ich
meine Beine wundervoll nach unten
baumeln lassen.


Leider mußte ich auch einmal zur
Strafe an einem Abend dort stehen,
im Dunkeln und vor Angst weinend…
Ich habe es nie vergessen und ver-
stehe bis heute nicht, wieso ein
Erwachsener auf die Idee kommen kann,
einem Kind so etwas anzutun.
Schläge sind schlimm, aber ein
dunkles Treppenhaus ist voller
Hexen und Geister und es läßt dich
dein Leben lang nicht mehr los

 

Mittwoch, 16. Okt. 2013


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© bruni kantz

Kommentare

von bruni am 16.4.16

Liebe ULLI,
es ist wirklich so, Dunkel in Fluren und Räumen ängstigt mich heute noch.
Ich kann aber daran denken ohne bei der Erinnerung zu weinen und ich glaube, das ist schon etwas Besonderes…
Schön, daß Du hier reingesehen hast.
Herzlichst
Bruni

liebe Bruni, was für ein Alptraum am Ende! Jetzt verstehe ich dich und deinen Kommentar von gestern! Nochmals herzlichen Dank fürs verlinken.
Eltern kommen manchmal auf seltsame Ideen, wenn es das allein wäre, was sie selten verstehen ist, dass sie etwas in einem manifestieren, was einen dann ein Leben lang nicht mehr loslässt. mein Mitgefühl hast du!
herzliche Grüsse
Ulli

von bruni am 20.10.13

das freut mich sehr, lieber Finbar, daß Du Dir alles vorstellen konntest. Dann hab ich´s wohl doch so hinbekommen, wie es sein sollte grin

von finbarsgift am 20.10.13 - http://finbarsgift.wordpress.com

alles
was du geschrieben hast
konnte ich mir sooooo gut
vorstellen…
eindringlich trat das
geschriebene in mich ein
mitsamt geistern und hexen
ganz zauberhaft! smile

von bruni am 18.10.13

mein Erlebnis im Dunkel des Treppenhauses war ein sehr schlimmes, liebe Bärbel. Meine Oma, die unten wohnte u. mich weinen hörte, wollte mich in ihre Wohnung “retten”, mein Vater bekam es mit u. sie durfte mir nicht helfen. Ich war nicht mal sechs Jahre alt zu dieser Zeit. Dieses Erlebnis war für mich nicht gut u. ich denke nicht gerne daran zurück…

von minibar am 18.10.13 - http://minibares.wordpress.com

Liebe Bruni,
was für eine schönes Treppenhaus.
Aber dass du im Dunklen da oben sein musstest. Neee, gar nicht gut.

Einmal wollte mein Vater mich in den Keller bringen, da habe ich ich weiß nicht mehr was alles versprochen, dass ich nur nicht allein da unten sein musste.
Und er hat mich nicht da unten allein gelassen. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar.

von bruni am 17.10.13

in meinen Gedanken war diese Erinnerung immer präsent, liebe Anna-Lena, aber sie wollte nicht so recht aufs “Papier”. Nun hat sie es geschafft. Ja, es war ein wichtiger Ort, dieses große Treppenhaus. Es war so hoch, daß ich locker den Kronleuchter dort hätte aufhängen können, der mir so gut gefällt,  aber heute wüßte ich nicht, wohin damit… grin
Liebe nächtliche Grüße zu Dir

Ein Treppenhaus ist so kostbar wie ein Fester zum Hof.
Es bietet Schutz für einen selbst, man sieht draußen alles und wird oft nicht entdeckt.
Schön hast du das formuliert, es erinnert mich auch an vieles aus der Kindheit.

Liebe Grüße zu dir,
Anna-Lena

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