Startseite | Kontakt | Impressum

montags Waschtag

Montag war Waschtag, jede Woche!
Ich hasste diesen Tag. Mutter
und Oma waren von frühmorgens
bis spät in den Nachmittag hinein
mit dieser “dummen” Wascherei
beschäftigt.


Die Waschküche war ein großer
Raum im Kellergeschoß.


Ein sehr imposanter gemauerter
Kessel, in aller Frühe angefeuert,
war mit der heißen Waschlauge
gefüllt und mit einem ca. fünf cm
dicken Holzstiel wurden die Wäsche-
stücke umgerührt, gestampft und
immer in Bewegung gehalten.


Ich fand, daß es ewig dauerte.
Die Dampfschwaden zogen inzwischen
durch`s ganze Haus, die Luft war
feucht und warm und erinnerte mich
jede Minute daran, daß für mich
heute keiner Zeit hatte…
Mein Opa war früh schon geflüchtet
und mein Vater in seinem Postamt.


Beide Frauen trugen Kopftücher
und seltsame Kittel, die mir gar
nicht gefielen, eben Waschfrauen-
kleidung. Sie waren mir irgendwie
fremd an diesem Tag.


Wenn die Wäsche endlich gespült
wurde, verzogen sich langsam die
dunstigen Schwaden, aber das Ende
des Arbeitstages war es noch
lange nicht.


Ich war unglücklich über dieses
mühselige Geschäft. Nicht wegen
der vielen harten, intensiven
Arbeit, die die beiden Frauen da
verrichten mußten, darüber dachte
ich viel später erst nach, nein,
ich fühlte mich elend, einsam und
sehr verlassen an diesen Montagen.


Aber EINEN Waschtag gab es, der
für mich etwas ganz Besonderes
bereithielt!


Wahrscheinlich guckte ich zum
zwanzigstenmale da unten um die
Ecke, als meine Mutter ihren
Geldbeutel zückte, den sie
komischerweise dabei hatte, nahm
ein Geldstück heraus und ich
durfte damit in den kleinen
Tante-Emma-Laden laufen, der nur
zwei Häuser entfernt war, um mir
die allererste Cola meines
Lebens zu kaufen.


Es waren die 50er Jahre, ich war
noch nicht in der Schule, doch den
Geschmack von damals, den habe ich
noch immer auf der Zunge und ich
kann den feuchten Dunst erkennen,
fühle, wie er durch´s Haus zieht


Donnerstag, 13. Juni 2013

Eine Kindheitserinnerung

 

 

 

 

 

Wäscheberg
image
© Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 19.6.13

nein,liebe Barbara, an den erinere ich mich nicht mehr. Aber an sehr viele andere Gerüche *lach*, z.B. an Saure Bohnen…

Oh! Ich wasche auch meistens am gleichen Tag in der Woche *g*.

Hast Du auch noch den Geruch von Kernseife in der Nase?

von bruni am 18.6.13

*grins*, liebe Anette, es war, so glaube ich wenigstens, ein Pepsi-Cola damals. Danach habe ich lange Jahre keines mehr bekommen u. auch später war es mir immer nur zu süß... LG zu Dir ♥

von aNette am 18.6.13 - http://www.magic-colors.eu/Blog/

Deine Kindheitserinnerungen scheinen sehr präsent zu sein. Wunderbar die Geschichte. Diese Waschtage kenne ich auch, aber ich glaube, sie waren nicht so häufig. Und Cola, in den 50 iger Jahren? Da kannte ich noch nicht einmal das Wort. Ich habe Anfang der 60 iger meine erste Sinalco getrunken, das war auch ein Highlight grin lg aNette

von bruni am 16.6.13

wie recht hast Du doch, liebe Anna-Lena, auf die Errungenschaft der Waschmaschine möchte ich auch nicht mehr verzichten u. ich möchte mit den Frauen, die heute noch im Fluß waschen und spülen müssen, nicht tauschen… Lieber Sonntagsgruß von mir

von bruni am 16.6.13

Liebe Bärbel, die komische Mangel kam bei uns ein bißchen später grin, aber die Wäsche hängte meine Mutter bis ins hohe Alter auf die Leinen im Hof und im Gartenpfad… Jeder hat andere Erinnerungen, aber sie gleichen sich in gewissen Zügen doch. LG zum Sonntag an Dich

von bruni am 16.6.13

Liebe Maren, wie schön, daß Du durch den Text auf eine so lustige Erinnerung gekommen bist grin Danke fürs schöne Erzählen u.liebe Grüße

Das hast du schön beschrieben, liebe Bruni und es erinnert auch mich an diese mühseligen Zeiten. Unglaublich, was die Frauen da geleistet haben und es heute in anderen Teilen der Welt noch tun, wenn sie mit ihrer Wäsche zum Fluss gehen müssen.
Nicht alle technischen Errungenschaften verdienen gelobt zu werden, aber die gute Waschmaschine ist doch ein erheblicher Gewinn.

Liebe Grüße in den Sonntag,
Anna-Lena

von minibar am 15.6.13 - http://minibares.wordpress.com

Wir waren im 9-Familien-Haus nur alle 4 Wochen mit Wäsche dran.
Genau, die alte Waschmaschine mit dem Wassermotor. Ja, Dampf jede Menge, aber unten im Keller und es gab da kleine Fenster, die geöffnet werden konnten.
Dann die komische Mangel, durch die die nasse Wäsche gedreht wurde. Und dann ab in den Korb. Im Sommer nach draußen auf die Leinen gespannt, im Winter bis hoch unterm Dach, was der 4. Stock war geschleppt und da aufgehängt.
Waschtag war immer ein schwerer Tag.
Aber nicht für mich. Da hatte ich keine Defizite…
deine Bärbel

von Maren Brüning am 15.6.13

...Du beamst mich gerade zurück- zu meinen Großeltern auf dem Lande, die hatten gaaanz viele Obstbäume…u.a. Kirschbäume…und wir haben immer alle zusammen (9 Cousinen und Cousins und die dazugehörigen Tanten und Onkel) draußen die Früchte entsteint, mit Haarnadeln, die in Korken gepiekst waren… Einmal hatte ein Vogel ein paar Kirschen “verunreinigt” smile , und meine Tante, ganz große Dame, wollte nicht das böse Wort mit SCH sagen und wandte sich graziös, indem sie sagte, das Weiße da auf den Kirschen sei “Vogelpuuupe”, hahahaaaaaa, jedesmal, wenn wir heute bei Familientreffen Kirschen haben, lachen wir noch darüber smile...Und meine Oma hatte auch einen Waschkeller, in dem es immer so komisch roch, weil da auch Kaninchen geschlachtet wurden…und Blutwurst von Schweinen gekocht wurde…das war halt Landleben, da kam ich Stadtmädchen nicht so wirklich mit…Aber die Erinnerungen, die mich jetzt gerade einholen, sind seeehr real smile, schöööön!

von klaus am 15.6.13 - http://kowkla123.wordpress.com

Montag steht ja schon übermorgen wieder vor der Tür, schönen Samstag, KLaus

von bruni am 15.6.13

Tja, ich werde ab jetzt versuchen, ab und zu ein Stückchen Kindheit zu erzählen, bzw., sie mir von der Seele zu schreiben.
Es gibt so vieles, an was wir uns erinnern u.oft wird es viel klarer, wenn es aufgeschrieben ist.
Dir liebe Grüße ins Woende u.Danke für jedes Wort von Dir grin

von finbar am 15.6.13 - http://finbarsgift.wordpress.com

ich mag deine Poesie sehr aber
ich mag auch deine Prosa sehr und
manchmal bringt sie noch viel mehr
aus dir heraus als deine Zauberpoesie
vor allem wenn es um dich selbst geht
die welt deiner Erinnerungen…

von bruni am 14.6.13

da mir die Lyrik so nahe liegt, lieber Finbar, vergesse ich meist die Prosa-Texte, aber hier war mir das ausführliche Erzählen wichtig grin
Es freut mich total, daß es mir scheinbar gelungen ist, so zu schreiben, daß man sich diesen Waschtag genau so vorstellen kann,
wie ich ihn empfand…

von finbar am 14.6.13 - http://finbarsgift.wordpress.com

wie schön…
eine Kindheitserinnerung
von dir…

und wie traumwandlerisch sicher
von dir erzählt

ich kann mich somit gedanklich
dort in diesen raum beamen
und spüren was da los war
wie nix!

da hattest du dir aber eine
erste Cola reichlich verdient,
brunilein klein
*lächel*

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



image image image image