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Gläsern

wenn wir gläsern wären,
mit einer Hülle aus Licht
nur statt altbewährter Haut,
könnte uns jeder bis
ins Herz hinein sehen,
sich windende Gedanken
und Gefühle verstehen

Was wär mit den empfindsamen
Organen, mit Lunge und Magen,
den unendlich langen, kunst-
voll gewundenen Därmen?
Jeder sähe sie lärmen,
sich plagen an manchen
Tagen und würde sich fragen,
was macht denn die Leber,
braucht sie einen Geber?
Sie krampft wohl schon lange,
hat dich voll in der Zange
Was ist mit den Nieren,
warum sich genieren,
hier läuft es doch gut,
hab nur wieder Mut.

Was ist mit dem Blut?
Sind die Wände der Venen
nicht viel zu dünn
und die Klappen schließen
nicht recht?
Deine Beine, die solltest
du dem Doktor mal zeigen

Sehnen und Muskeln säh man
sich spannen, strecken, unter
zu großer Spannung auch reißen,
verrecken, jeder könnte mit
erleben wie Verletzungen
allergemeinste Schmerzen wecken

Unsere Nerven lägen blank und
bloß, man könnt sie nur in
organisch passenden Nischen
und Ecken halbwegs verbergen,
vor allzu neugierigen Blicken
notdürftig verstecken

Wir wären offen und einsehbar,
unvollkommen und ohne Schutz
Jedermann könnte Einblick
nehmen in unser Innenleben,
durchschaubar wären wir
ganz und gar

Wir sehnten uns nach dem
dichten Umhang mit großer
Kapuze aus seidigem Material,
denn das war unsere Haut
einmal

Mittwochnacht, 2. Mai 2012

 

 

 


image
(c) Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 7.5.12

der Himmel in einem alten riesig großen Kino war es, dieses Foto, lieber Ludwig.
Ihn zu entdecken und sofort den Fotoapparat zu zücken waren eins…
Ganz herzlicher Gruß zu Dir

von mono8no8aware am 7.5.12 - http://mono8no8aware.wordpress.com

...und erst jetzt bemerke ich dieses foto, das ist ja irre zu toll, wo haste denn das gemacht?
*neugierig wie jene guck, lach*

von bruni am 5.5.12

Liebe Fee,
wahre Worte sprichst Du wie imer sehr gelassen aus.
LG in den Sonntag hinein von Bruni

von Karfunkelfee am 5.5.12

Liebe Bruni,
ich freue mich, dass dir meine Impressionen und Gedanken zu deinem klugen Glasmenschgedicht gefielen und noch etwas Wichtiges, was ich damit auch ausdrücken wollte:
Immer wird es Menschen geben, die uns in einer Weise nicht gut tun, sei es, weil sie es bewusst nicht wollen oder unbewusst. Doch es liegt einzig an unserem inneren Zusammenspiel von Geist und Körper, wie stark wir für uns sind, ob wir uns davon berühren lassen oder auch nicht. Wir haben jedoch immer eine Wahl, ob wir es zulassen wollen oder nicht. Das hängt davon ab, wie gut wir unsere Intentionen und Gefühle kennen, wie stark wir in uns selbst ruhen, sicher im Tritt sind. Wenn alles stimmig ist, können uns äußere Einflüsse nicht so schnell aus dem Gleichgewicht bringen.
Ich weiß.
Leicht gesagt - schwer umgesetzt.
Und nicht vergessen: Wir sind Menschen, alle anderen auch und somit menschlich.
Alles Liebe für dich!
Deine Fee

von bruni am 5.5.12

Liebe AnnaLena, ich denke, wir sind schon gläsern genug, die Moderne läßt uns gläsern sein, nun sollten wir aufpassen, daß nicht noch mehr mit uns passiert. Erhalten wir uns eine möglichst dicke und dichte Haut, die Du ein wenig schützen kann, wenigstens vor einigem *seufz* Dir liebe Wochenendgrüße zurück von Bruni

von bruni am 5.5.12

Liebe Regina, es ist tatsächlich sehr zum Weiterspinnen, liebe Regina. Möchtest du es vielleicht tun??? Hasutpflege ist äußerst wiiiiiichtig, Du weißt schon…wenn Frau älter und die Haut so dünn…
Lächelnde Grüße von mir

Irgendwie sind wir durch die modernsten Medien gläsern, doch deine interessanten Gedankengänge haben was. Es wüdren kostspielige Untersuchungen wegfallen, der Arzt könnte nur durch Hingucken eine Diagnose stellen. Alle Krankheiten könnten sofort heilbringend behandelt werden.

Was das aber generell für ein Gesprächsstoff wäre, da hätte das Wetter keine Chance mehr grin .

Ich grüße dich herzlich zum Wochenende,
Anna-Lena

Das ist wirklich eine verrückte Vorstellung, liebe Bruni. Das Gedicht lässt mich nicht los, es ist eines, das nachklingt und zum Weiterspinnen anregt. Ich geh dann mal ein wenig Hautpflege betreiben, denn dieses kostbare Organ möchte ich nicht missen!

Herzliche Grüße
Regina

von bruni am 4.5.12

Es ist nicht MEINE Durchsichtigkeit, liebe Barbara, es ist nur die Vorstellung, wie es wäre, wenn wir durchsichtig wären… Ich denke, keiner würde sich eine solche Durchsichtigkeit wünschen. Es ist eine schreckliche Vorstellung, da gebe ich Dir vollkommen recht. LG zu Dir

Ich habe mir gerade vorgestellt, Du hättest einen Korken verschluckt, musst aber aus irgendwelchen Gründen in die Stadt. In der S-Bahn sagt dann einer zum andern: Guck mal, die hat einen Korken verschluckt, mal sehen, wie weit er bis zum Marienplatz gewandert ist.

Nee, Bruni, Deine Durchsichtigkeit ist nichts für mich wink
Gruß
Barbara

von bruni am 4.5.12

Liebe Fee, wie wunderfein hast du es wieder geschafft, alles hier unterzubringen, was richtig und wichtig ist.
Wir Lichtgestalten,
die wir unser Licht so oft
unter den Scheffel stellen
und oft auch im Übermaß
lichtempfindlich sind…
Lichtscheuen Gestalten
begegnen wir dann in der Nacht,
denen, die aus irgendwelchen
Gründen das Tageslicht scheuen
u. zudem noch Salz in seelische
Wunden von anderen streuen.

Sind Organe und Seele nicht im Gleichklang, bricht die Lichtgestalt zusammen
und ist nur noch ein matter Abglanz der ehemals so leuchtenden Person.

Dir einen schönen sonnigen Tag, liebe Fee, ohne jegliche Schatten und nur mit Leuchten um Dich herum.
Deine Bruni

von bruni am 4.5.12

Liebe Babs, es ist eine schreckliche Vorstellung, ich weiß, aber ich mußte sie mal beschreiben… Dir einen lieben Gruß von mir

von Karfunkelfee am 4.5.12

Liebe Bruni,
wie sehr du mir aus der Seele sprichst!
Ein kluges Gedicht.

Hier, was mir dazu einfiel:

Lichtkörperwelten

Sind wir nicht Licht?
Ist das, was wir sind, nicht
elektrische Energie?
Wir sind ein motorisches Wunderwerk
erdenschwer
und unser Körper ruht nie
selbst wenn wir schlafen
unsere Seele ist nicht greifbar
doch unseres Körpers Spiegelbild
der Gesundheit geistiges Aushängeschild
wir sind Symbionten in uns selbst
eins arbeitet mit dem anderen
Körperseele muss zusammen wandern
Seelenkrank tritt körperlich aus
Körperkrank findet in Seele kein Haus
Blindheit gegen sich selbst - macht starr und stört den Fluss der Energien,
seelisch beweglich kann man dem entfliehn, sich Blockaden entziehn
alles erfordert ein ständiges Tun
wir menschlichen Wunder dürfen niemals ruhn.

Ganz liebe Grüße in deinen Morgen,
deine Fee

von minibar am 3.5.12 - http://minibares.wordpress.com

Puuh, sich vorzustellen, die Darmtätigkeiten zu sehen, neee, lach.
Oder wenn bei Aufregung das Blut pulsiert.
Irre!
Du hast ja Ideen, das ist vrerückt. Bitte nie ohne unsere wertvolle Haut.

von bruni am 3.5.12

Lächende Grüße an Dich, lieber Ludwig am sonnigen Donnerstagmorgen,
manchmal denkt man denkwürdige Sachen und wenn man es nicht aufschreibt, müllt es einen zu. Es muß einfach irgendwie in Form gebracht werden und raus - und WIE ist erst mal egal, man kann ja immer wieder korrigieren…
Herzlichst
Bruni
PS. Meine Fantasie, jaaaaaaaa, die ist immer vorhanden, sie lauert regelrecht *lach*

von mono8no8aware am 3.5.12 - http://mono8no8aware.wordpress.com

großartig, liebe bruni, großartig!
vieles kam mir beim lesen in den sinn:
die ausstellungen des wilden von hagen,
das harte medizinstudium meines sohnes,
richtige glasaliens mit drauf- und durchsicht, selbst horrorblutbahnachterfahrten…
ach ja, die fantasie, gell,
wenn wir die nicht hätten…
herzliche morgengrüße
ludwig

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