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Das Herz - Prosa

“wenn das Herz denken könnte, stünde es still” sagt Fernando Pessoa


eine seltsame Vorstellung, daß das Herz DENKEN könnte. Ein Gedanke, der
eigentlich nie gedacht wird, ein völlig absurder Gedanke.

Genau so seltsam ist es aber auch, sich zu überlegen, daß es NICHT denkt,
daß es also wohl unbewußt den ihm vorgegebenen Takt, diesen unentwegten
monotonen Rhythmus schlägt, ohne Unterlaß, ohne jegliche Pause, stetig,
stark und motiviert, um SEINEN Menschen am Leben zu erhalten.

Es darf keinerlei Unterbrechung geben, nie darf es sich mit anderen
Herzensfreunden treffen, es ist ein Einzelgänger, ein 1-Mann/Frau-Betrieb,
ohne die Möglichkeit einer Vertretung, die da mal auf die Schnelle
einspringen könnte, damit das Herz endlich zum heiß ersehnten Urlaub in
der Karibik käme, oder zu einem klitzekleinen Ausflug in atemberaubende
Träume, nein, Ferien kann es sich nicht gönnen, Urlaub ist nicht drin, denn
schon das allerkleinste Herzflimmern kann krass enden.

Schlägt das unermüdliche Herz zu schnell, ist es falsch, schlägt es zu
langsam, ist es fatal, schlägt es unregelmäßig, braucht es allerschnellstens
einen Schrittmacher, der ihm den richtigen Rhythmus wieder vorgibt.

Es ist ein bewundernswertes Organ, der allerbeste Motor der Welt.
Kein Mensch wäre in der Lage gewesen, einen solch präzisen Pausenlos-Takter
zu erfinden
Nur 300 g ist es schwer, unser faustgroßes Herz. Diesem kleinen Ding gelingt
es tatsächlich, ca. fünf Liter Blut in einer einzigen Minute durch den
menschlichen Körper zu pumpen, in sämtliche Körperzellen hinein und kein
einziges Mal darf es holpern und stolpern.
Nie darf es sich rebellisch aufführen, sonst kommt sofort (aber nur, wenn
wir ein wenig Glück haben) ein auffälliger weißer Wagen mit blinkendem
blauem Licht und es wird genau untersucht, nach Strich und Faden
durchleuchtet, damit der Weißkittel mit seinen wundersamen Geräten
herausfinden kann, warum sich das eben noch unauffällige Herz nun derartig
aufführt oder aber nicht mal mehr in der Lage ist, sich überhaupt noch
aufzuführen und stattdessen schlaff in den Seilen hängt oder aber nur noch
atemlos hechelt und krampfhaft nach Hilfe schreit.

Ca. drei Milliarden Mal schlägt unser Herz
in einem normalen durchschnittlichen Menschenleben.
Wer würde da nicht urlaubsreif…

Wer denkt da noch an Denken…


Sonntagmorgen, es ist der 22. April 2012

 




Kommentare

von bruni am 23.9.14

Da siehst Du mal, liebe Petra, was Du bei mir alles finden kannst. *g* Sogar ernsthafte Texte über das Herz, als lebenswichtiges Organ.

Lächelnde Grüße an Dich von Bruni

von Petra am 23.9.14

Liebe Bruni, das ist eine kleine Ode an unser Herz.
Da ihm viel abverlangt wird, sollten wir doch ab und zu an dies sehr wichtige Organ denken, und zwischendurch immer mal innehalten und ein bisschen bei dir lesen!!!
Schmunzelnde Abendgrüße zu dir,
Petra

von bruni am 28.4.12

Liebe Anette, es ist wirklich unendlich schützenswert, dieses ausdauernde Herz.
Gut, daß Du das richtige Rezept gefunden hast. Meines klopft auch stark und gleichmäßig. Wenn man aufmerksam lauscht, kann man es scheinbar hören… Lächelnde Grüße von Bruni

von aNette am 28.4.12 - http://www.magic-colors.eu/Blog/

Schön hast du die Leistung unseres (zweit) wichtigsten Organes zusammengestellt. Nur der Mensch selbst kann diesen Motor ab und zu in so eine Art Urlaub schicken. Durch Ausdauersport wird der Ruhepuls gesenkt. Das ist Urlaub in der Karibik für mein Herz. Mit guter Ernährung, nur wenig Alkohol und keinen Zigaretten halte ich es bei Laune. Bis zu meinem Lebensende grin In diesem Sinne noch eine recht angehme Zeit mit unser aller Herzen. lg aNette

von bruni am 22.4.12

hehe,liebe Fee, ich soll mit dem Pessoa kuscheln?  Na ja, zum Frühstück lasse ich ihn in kleinen Schlucken immer mal wieder die Kehle herunterrinnen u. es schmeckt gut, was ich da lese. Dann brauche ich andere Kost, sonst werde ich nicht satt *lach* Toll ist Dein Kommentar zum rosa -ähem, Entschuldigung, zum Prosa-Herz-Artikelchen. Motiviert sehr!
Einen lieben Gruß in die Nacht zum Montag von Bruni

von Karfunkelfee am 22.4.12

Liebe Bruni,
Ja, wie toll ist dieses Stück Prosa denn bitte?
Chapeau, Madame!
Du hast dem Herzen das Denken abgenommen und es weitergedacht und ihm ein Plädoyer gewidmet, das jeden gedankenlos herzschlagenden Menschen zu Denken geben sollte!
Mein Herz war früher mal eine Registrierkasse, irgendwann vor zehn Leben oder so. Wenn ich mich aufrege, schlägt es dreimal hintereinander ordentich schnell und dann tut es Schlag Zwölf und dann ist erstmal Pause angesagt, so für zehn…manchmal fünzehn…Sekunden…Stille, Ruhe…nüscht mehr. Atemlos, Herzbeklemmung und immer die Frage: Na? Was dat nu? Kardiologen finden mein EKG immer wieder beeindruckend und warnen mich vor diesem Nor-Adrenalin, das das Herz ausschüttet, wenn es unter Stress gerät. Wie soll man Stress vermeiden? Klar. Indem man sich einfach nicht mehr aufregt. Vielleicht mal das Denken sein lässt? Und die Gedanken auf Urlaub schickt? Oder andere denken lässt? Und ein Plädoyer schreiben für unseren Motor, unser Herzstück, unser antriebsmotorisches Lebensglück.
Ein großartiges Herz-Stück ist dir hier gelungen, Bruni, wirklich. Die Fee kriegt sich gar nicht mehr ein vor Entzücken und hat venöses Blut geleckt. Sie will mehr Prosa von dir!
Ich wünsche dir einen wunderschönen Abend. Herr Pessoa bekommt dir bestens.
Geh ruhig öfter mal mit ihm kuscheln.
Viele liebe Grüße,
deine Fee

von bruni am 22.4.12

sind nicht Denken und Fühlen so oft eins?
Du sprichst mir aus der Seele, liebe Sonntags-Anna-Lena
Herzliche Grüße an Dich grin

Ja, es ist bewundernswert, was dieses kleine Organ leistet. Und trotzdem scheint es eng mit der Seele des Menschen auf einer höheren Ebene verbunden zu sein und kann fühlen und gewissermaßen denken.

Wie sind sonst unsere seelischen Zustände erklärbar? Gerade dann spüren wir nur zu gerne, wie das Herz rast, stolpert und aus dem Takt zu springen scheint.

Schützen wir uns, so schützen wir unsere Seele und unser Herz.

Hab einen herzhaften Sonntag, liebe Bruni grin

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