Startseite | Kontakt | Impressum

Blaue Erde -  Prosa

Ein blauer Punkt nur im Kosmos, in dieser unendlichen Ordnung im All, ist unsere
uralte Erde, die wir auch Mutter Erde nennen, denn genau das ist sie, unsere
Mutter, die große Mutter der Menschheit.

Blau scheint sie nur, wenn sie in ihrer Gesamtheit zu sehen ist, metallisch im
Kern, umgeben von einem dicken, flüssigen Mantel
(wer außer ihr trägt schon einen flüssigen Mantel?) und darüber schützendes,
kräftig-krustiges Gestein.

Aus dieser blauen Planetenmutter werden wir geboren und Erdiges trägt uns
durch unser Leben. Zu Erde werden wir wieder, wenn wir vergehen, wenn
unsere Lebenszeit auf dem Heimatplaneten abgelaufen ist, unsere erden-
körperliche Hülle längst in Fetzen hängt und dann langsam zerfällt.

Der Raumfahrer sieht das blaue Wunder mit großen erderstaunten Augen,
das zu zwei Dritteln aus Meeren und Ozeanen besteht. Eine Schönheit, eine
Besonderheit im mächtigen All, groß und gewaltig, wuchtig und rundlich,
ein blauer auffälliger Ball mitten im Weltenall, unser Menschenraum, von
dem wir denken, nur hier könnten wir kleinen Pünktchen, wir Sommer- und
Wintersprossen, existieren und lebendig sein.

Hier entstehen wir aus den Samen unserer Väter in den Gebärmüttern unserer
Menschenmütter. Wir wachsen und gedeihen und nichts anderes wünschen wir,
als dass uns unser Leben hier gelingen möge. Nirgendwo, auf keinem der uns
bekannten Planeten, gibt es ein ähnlich sonder- und wunderbares Lebewesen,
wie diesen Erdenmenschen.

Wir sind erstaunlich, zum Merken würdig oder sind wir etwa nicht würdig, in
dieser Wunderwelt leben zu dürfen, weil wir uns selbst zu zerstören scheinen,
weil wir die Welt um uns herum unentwegt verändern möchten?

Wir halten uns für klug und weise, stellen alles infrage, erfinden Altes wieder
neu und keine Gipfel und Höhen sind uns hoch genug und immer möchten wir
noch ein Stück höher hinauf. Manchmal werden wir abgeseilt und oft fallen wir
dabei tief.

Ein steter Forscher ist der Mensch, leidenschaftlich und rücksichtslos mit sich
selbst. Er forscht um des Lebens Willen und scheut den Tod nicht dabei.

Gewalt wird billigend in Kauf genommen, wenn es nicht anders gehen sollte -
geht es denn anders?

Sollte unser wundervoller blauer Planet zerstört werden, während wir für Frieden
und Fortschritt forschen, dann sollte man daran denken, daß er schon vorher
dem Untergang geweiht war und seine Zeit ohnehin abgelaufen.

Prophezeit war dieser “Weltuntergang” seit alter Zeit, also ist klar zu erkennnen,
er war lange überfällig, wir Menschen der Neuzeit können also eigentlich nichts
dafür, wir wollten nur retten, was noch zu retten war.

Um brillante Ausreden und irrwitzige Argumentationen war dieses Geschöpf, das
sich selbst MENSCH nennt, nie verlegen, denn es ist voller Wortgewalt und wenn
diese nicht ausreicht, werden eben andere Waffen eingesetzt. Da ist der Mensch
nicht zimperlich, denn es gilt, mit Gewalt den Weltfrieden zu retten, und zwar um
jeden Preis. Koste es, was es wolle und wenn es das Leben ist.

Dienstag, 3. April 2012




Kommentare

von bruni am 8.4.12

Hallöchen, liebes Feechen, nach der Wollmaus *lach* in Prosa nun den Blauen Planeten - schon etwas ungewöhnlich, ich weiß es, aber manchmal befaßt Frau sich eben mit sehr unterschiedlichen Gedanken und nicht alle enden bei einer Wollmaus, eher würde ich sagen, sie beginnen dort und erweitern Humor und Horizont. Danke für die tollen Worte, die Du für meine Schreiberei gefunden hast.
Lächelnde Ostergrü0e zu Dir
von Deiner Bruni

von Karfunkelfee am 8.4.12

Liebe Bruni,
Ein Text zum Insichgehen, zum Nachdenken und eine Erinnerung an das Staunen, das wir mit den fortschreitenden Jahren viel zu oft dem Altar des Alltags opfern in der Annahme, es sei den Kindern vorbehalten.
Du hast es nicht verlernt und hast es in Worte eingeschlagen, wie man ein kostbares Geschenk in buntes und edles Papier einschlägt, um es jemandem zu geben. Dein Text macht Mut sich zu besinnen, weil das, was du beschreibst, wertvoll ist und zu schnell unter der Gewissenlosigkeit der zahlreichen Gedankenlosen zu zerbrechen droht.
Sehr schön, wieder einmal ein Stück Prosa bei dir zu finden - YES, she can! smile

Ganz liebe Grüße in deinen Ostersonntag,
deine fee

von bruni am 4.4.12

Resignierend bin ich schon manchmal, lieber Helmut. Du erkennst es gut. Gab es doch immer diese Gewaltbereitschaft beim Menschen, die ausgeübte Gewalt, und wird sie nicht auch unentwegt eingesetzt? Die Gründe dafür sind immer “zwingend”. Gab es denn mal eine Zeit ohne Gewaltlosigkeit? Da resigniere ich schon mal, weil mir keine einfällt. Ich würde mich freuen, wenn Du mich über anderes belehren könntest.
Du weißt doch, wie ich schreibe, bin ich lustig, fidel und gut drauf, dann bin ich lyrisch locker und leicht. Bin ich in trauriger, wehmütiger, melancholischer Stimmung, dann klingen meine Gedichte auch so. Ich schreibe nach Lust und Laune, wie mir gerade zu Mute ist. Eigentlich ist meine erzählende Prosa nicht weniger hoffnungsfroh als die Lyrik von mir. Es kommt halt einfach auf das Thema an, mit dem ich mich gerade befasse.
Wie schön, daß Du Dich mit diesem Text befasst hat. LG von Bruni

von Helmut Maier am 4.4.12 - http://www.maier-lyrik.de/blog

Sehr anregende Meditation! Manches Mal gegen Schluss kommt sie mir etwas defätistisch vor: “Gewalt wird billigend in Kauf genommen, wenn es nicht anders gehen sollte -
geht es denn anders?” und “Sollte unser wundervoller blauer Planet zerstört werden, während wir für Frieden
und Fortschritt forschen, dann sollte man daran denken, daß er schon vorher
dem Untergang geweiht war und seine Zeit ohnehin abgelaufen.”

Ist die narrativ angelegte Prosa etwa weniger hoffnungsfroh als die Lyrik?

Liebe Grüße
Helmut

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



image image image image