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Dunkelschön

Sie fand sich erst
im Dunkel schön,
im Hellen sollt sie
niemand sehen.

Das Dunkel konnte
Falten glätten,
hier konnte sie sich
gut verstecken.

Sie fühlte, wie des
Windes Finger sachte
ihre kalten alten
runzeligen Wangen
streiften, der sie so zart
berührte, weil er in ihr
Verletztsein spürte.

Das Leben hatte sie
verletzt, sie wurd´ von
jüngeren ersetzt.

Vor vielen Jahren war
sie schön, von allen
Menschen gern gesehen.

Formvollendet die
Gestalt, ebenmäßig ihr
Gesicht, so licht und
fein, als sollte sie
ein Zauber sein.

Ein Unfall warf sie
aus der Bahn. Ihr
Bein ward lahm und
Schnitte quälten
Ihr Gesicht.

Nur noch im Dunkel
sah sie Licht.

Der volle Mond glänzt
nur für sie, lächelt
selig und Liebesworte
flüstert sie.

Mittwochnacht, 9.Nov.2011


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(c) Bruni Kantz

Kommentare

von minibar am 19.11.11 - http://http://minibares.wordpress.com

An dem Abend ging über eine Stunde nichts auf meinem Blog. Wordpress arbeitete….

von bruni am 16.11.11

Liebe Regina, auch ich würde bestimmt alles wieder genau so machen, denn es wären ja meine Fehler, meine Schwächen. Die konnte doch gar kein anderer für mich machen *lach*
Ich hätte also auch die gleichen Falten wie jetzt. Als schön empfinde ich sie nicht, aber sie gehören zu meinem Leben. Jede spricht für sich und nicht jede für mich. So ist es eben mit uns fehlerbehafteten Menschenkindern. LG von Bruni

von bruni am 16.11.11

Liebe Babs, ja, auch diese Frau hat gelitten u. nur im Dunkel ging es ihr gut. Wer wußte schon davon bis es zu spät war…?
Leider konnte ich eben nicht bei Dir kommentieren. Muß es später oder morgen nochmal probieren. LG an Dich

Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf bei diesem Gedicht: Betroffenheit, Erkennen, eigene Wahrnehmungen - und doch ist jede Falte, jeder Schnitt eine Spur, die das Leben hinterlassen hat und wenn ich nochmal von vorn anfangen könnte, dann würde ich wahrscheinlich alles ähnlich machen wie ich es gemacht habe und alle Falten und Verletzungen wären wieder da, da sie zu uns gehören.

Nachdenkliche Grüße
Regina

von minibar am 13.11.11 - http://minibares.wordpress.com

Das erinnert mich an Hannelore Kohl, die kein Licht mehr vertragen konnte.
Was muss diese Frau durchgemacht haben.
Ich fürchte, das kann keiner wirklich nachempfinden.

von bruni am 12.11.11

Liebe Anna-Lena, diese OPs sind oft so wahnwitzig. Schöne wollen noch schöner werden. Ich verstehe es nicht.
Einen lieben Gruß zu Dir

Berührend, so ein Schicksal. Da braucht es Mut, nicht am Leben zu verzweifeln.
Kürzlich sah ich Bilder von Schönheits-OP’s verschiedener Prominenter. Nicht alle waren erfolgreich. Wenn solche Menschen dann entstellt sind, weil sie immer und immer wieder meinen, mit Geld könne man der Natur ins Handwerk pfuschen, habe ich kein Mitleid.

Liebe Freitag-Abend-Grüße
Anna-Lena

von bruni am 11.11.11

Liebe Barbara, die, die darüber reden können u.auch noch positiv über ihr Schicksal denken, die haben es gut gegen die, die sich nur noch einsam und verlassen fühlen. Die sehen wir ja nicht, sie sind im Dunkel versteckt. LG zu Dir

von ahora am 11.11.11 - http://ahora-giocanda.blogspot.com

Bei mir im Haus wohnt eine jüngere Frau. Sie sitzt im Rollstuhl. Wir treffen uns öfter im Park gleich um die Ecke. Sie strahlt mich an - und mein Herz geht auf.
Sie erzählt mir, dass sie immer - jeden Tag - erst einmal die guten Seiten des Tages anschaut.
Was für ein Unterschied zu der armen Frau, die Du uns vor unser geistiges Auge zauberst.

Liebe Grüße
Barbara

von bruni am 11.11.11

Liebe Monika, in der Jugend ist alles so einfach, Schönheit wird als selbstverständlich angesehen. Wenn ein Unfall krass nach dieser Schönheit greift, alles plötzlich anders ist, dann heilt nicht jede Verletzung gleich gut. Das Umfeld ändert sich u.wer dann niemanden hat, der mit verständnsivoller Liebe auffängt, macht einsame Spaziergänge und nur der Mond ist Freund u.Begleiter. LG von Bruni

von syntaxia am 10.11.11 - http://webloggia.wordpress.com

Sehr berührend, liebe Bruni und ja - leider zu wahr!

..grüßt dich Monika

von bruni am 10.11.11

solche Dinge sind wirklich schon oft passiert. Ich kann mich an einige große Schauspielerinnen erinnern, die nie mehr in der Öffentlichkeit auftraten, nur noch sehr verhüllt und möglichst unkenntlich gemacht durch Tücher, Schals und Hüte. LG an Katja!

von Katja am 10.11.11 - http://www.frauen-aktuell.de/

Das Gedicht erinnert mich an meine Freundin, der genau das Wiederfahren ist, worüber du hier schreibst. Eine wirklich traurige Geschichte…Jedesmal wenn ich darüber nachdenke, könnte ich glatt heulen. :-(

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



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