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Vergessen

Blickdicht der Wald,
Dickicht, uralt
und brechend,
suchend die Füße,

auf weich geschichteten
Lagen von Jahren.
Frisch die grünenden
Zweige, fett glänzende
Ranken.

Dornengeflecht
voller Macht umschlingt
dich kraftvoll,
öffnet die Pforte,
lässt dich ein.

In die Senke
der Jahre geschmiegt
ein Fragment von Dach,
geborstene Wände,
klappernde Türen.

Pfeifender Wind
fegt geschwind
durch die Ecken,
in denen sich
winzige Eidechsen
necken.

Verwildert ein Hof,
wüstes Gestrüpp,
ein Haufen von Steinen,
kaum noch erkennbar,
uralt der Brunnen.

Rostig die Kette,
die ächzend schwingt.

Schaurig ihr Ton,
der erklingt, als sie
Vergessenes singt.

Freitagmittag, 14. Mai 2010


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(c) Bruni Kantz

Kommentare

von bruni am 19.5.10

Lieber Helmut, durch den Anfang könnte man in der Tat denken, es geht um die Natur, die mit ihrem allgewaltigen Grün zurückerobert, was ihr vor sehr vielen Jahren entrissen wurde. Es ging mir aber wirklich um das vergangene Leben, das mal hier gewesen sein muß und von dem man nur noch Spuren findet.
LG von Bruni

von bruni am 19.5.10

Vergessenes macht neugierig. Genau so ist es. Man beginnt, darüber nachzudenken und sich das Vergessene vorzustellen. Man versinkt in der Vergangenheit.
LG an Dich, liebe Anna-Lena

von Helmut Maier am 19.5.10 - http://www.maier-lyrik.de/blog

Zuerst dachte ich, Du beschreibst “einfach” die Urgewalt des Grünens in dieser Jahreszeit; dass sie uns auch die Vergänglichkeit menschlichen Bauens und Trachtens lehrt, ist ein gewaltiger Gedanke!

Liebe Grüße
Helmut

Vergessenes macht aber auch neugierig, in alten Geheimnissen zu stöbern und Neues zu entdecken.
Aber manchmal sollte man den Zauber des Vergessens und des Geheimnisses bewahren.

Wie reizvoll, wenn dich deine Fahrten so inspirieren, liebe Bruni.

Liebe Grüße
Anna-Lena

von bruni am 16.5.10

Liebe Barbara, wenn ich auf der Autobahn am Abend nachhause fahre, sehe ich zwischen Bäumen und Wiesen ein altes Dach. Es wird wohl zu einem verlassenen Gehöft gehören. Ich will es gar nicht genauer untersuchen. Täglich fahre ich so an einem Geheimnis vorüber und immer mache ich mir neue Gedanken um das in Wald und Wiese geschmiegte Dach, zu dem bstimmt auch Wände gehören; ich kann sie aber nicht sehen ... Ich freue mich, daß ich etwas in Dir berühren konnte. LG von Bruni

von ahora am 16.5.10 - http://ahora-giocanda.blogspot.com

Liebe Bruni, es ist ja gerade so, als würdest Du ein voll gelebtes Leben beschreiben.
Ich wünsche Dir einen wunderschönen Sonntag.
Dein Gedicht spricht mich sehr an.

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



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