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Rosine

Eine stolze, reife Weintraube
war sie, die kleine, schrumpelige
bräunliche Beere aus der
angebrochenen, schnell
aufgerissenen durchsichtigen Tüte.

In der hintersten Ecke
der Schublade versteckt,
hinter Kardamon, Nelken,
und Muskatnuß
wurde das Rosinchen
aus tiefem Schlafe geweckt.

Rosine, Korinthe heißt sie,
oder ist es etwa doch
eine Sultanine, das hutzelig
putzelige winzige Ding,
mit vielen faltigen
Geschwisterchen in der
prallen engen Tüte drin?

Überreife Weintrauben,
getrocknet und karamellisiert,
als Rosinen schon immer
Gebäck und frisch
gebackenen Kuchen verziert.

Kinderfinger puhlen
und höhlen ihn aus,
den Rosinenkuchen,
holen die kleinen süßen
Teilchen heraus.
*******************
Rosine heißt auch
die fleißige Bäckerin,
nur Rosinen hat sie
heute im Sinn.

Die neugierigste Beere
springt unter den Tisch
und wirkt auch noch
einige Tage ganz frisch.

Doch leise trocknet sie
vor sich hin und auch
die Bäckerin hat keine
Rosinen mehr in ihrem Sinn.

10. November 2007




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