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Platanenallee

Trutzig wie romanische Säulen,
grüne Fleckengesichter
auf knorrigen alten Stämmen,
unter der dichtern, kühlenden
Blätterkrone, die mit leichter Hand
das Rechts mit dem Links verband,

Eine grüne, leise sich bewegende
Kuppel über dem unscheinbaren,
staub verkrusteten Straßenband
im südlichen Normannenland.

Platanen, überlebende Grünriesen
aus vergangener Zeit,
bilden den Straßensaum
und schaffen einen ganz
besonderen Lebensraum.

Allee, dies Wort trifft nicht den Kern,
es heißt doch nur:
Rechts sind Bäume, links sind Bäume
und dazwischen Zwischenräume.

Eine Platanenallee ist viel mehr als das.

Sie ist ein Gebäude,
ein Menschenweg, den rechts und links
die Natur mit Säulengewalt begrenzt
und ihm gar ein Dach beschert,
ein vielblättriges Dach, in dem der Wind
je nach Laune zärtlich und sachte leise spielt,

oder in dem er mächtig braust,
wenn er launisch durch die kleinen
Bergdörfer saust.

Ein Dom der Natur
und darin ungefähr
eine und eine halbe Autospur.

17. Juni 2007




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