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Flüsternde Farben

Gedämpftes Licht,
matt und grau die Menschen
von Angesicht.

Grünes scheint dunkel und schwer,
wo kommt all das Schwere nur her?

Die Feste vorüber, der Alltag präsent,
am besten wird nun der Januar verpennt.

Rot kämpft mit Macht ums Überleben,
meist liegen alle seine Töne daneben.

Blaues scheint es nicht mehr zu geben,
v e r d a m m t,
wovon sollen wir Menschen denn leben?

Im blattlosen, kahlen, bizarren Geäst
von erkälteten Büschen und Bäumen
seh ich nirgendwo gelbe Spitzen blitzen!

Geduld, spricht die Erde, nutze die Pause.

Purpur schöpft Atem, erholt sich schon prächtig,
Blau ist sogar unter der Erde noch mächtig,
Gelb und Grün machen Aufwärmgymnastik,
bewegen die Glieder, biegen sich sacht,
bis nach vielen grauen
und winterlich abgekühlten Wochen
dann plötzlich über Nacht
ein blitzeblanker neuer Frühling erwacht.

Doch noch besprechen sich im Verstecke,
flüsternd und kaum zu verstehn, die Farben.
Wo sollen sie nur hin mit dem Leuchten,
dem Licht und der vollen Pracht?

Sie füllen die Schatzkammer tief in der Erde.
Rot, Grün, Gelb und königlich Blau,
fantasievolle Augen sehen es ganz genau.

Da liegen sie faul und füllen die Erde,
sind steinern verhüllt und gut versteckt,
bis die neue Jahreszeit sie dann wieder weckt.
Gedämpftes Getuschel
in bräunlich bröckeliger Erdenmuschel.

Lege dein Ohr auf die Erde
und dich gleich dazu.
So hörst du das schwirrend verwirrende
Flüstern der winterlich verborgenen Farben
und erdlich verstecktes, noch ruhendes
Leben wird dir bewußt.

Doch bald wird unter dir die Erde erbeben,
und neues freudiges Leben
wird sich in dir mit Macht wieder regen.

06. Januar 2007




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