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Menschengefieder

Zerzaust, ramponiert und
mottenzerfressen
ist oft dein Gefieder,
Mensch im Alltagsgetriebe.

Wann hast du zuletzt deine
Federn benutzt,
hast sie geölt, geputzt,
den Boden verlassen
und bist geflogen?

Hast die Enge der täglichen Täler,
die Engstirnigkeit in den Schluchten
und die bedrückende Kluft
der fehlenden Menschlichkeit verlassen?

Ordne dein Menschengefieder,
bürste ihn ab den Staub der engenden Zeit
breite deine Flügel sehr weit
und öffne dein Herz der Unendlichkeit.

Schwinge dich empor,
spüre den Aufwind, der dich nun trägt
und dein etwas eingerostetes
Federkleid heftig bewegt.

Ein komischer Vogel, der Mensch,
der meint, dass ihn nur seine
staksigen Beine tragen.

Bewege deine Schultern und dehne sie
auf deinem Rücken,
fein zusammengefaltet,
als Schulterblätter sehr gut getarnt
sitzen doch deine Flügel,
M E N S C H.

Im Alltag vergessen, gut verpackt,
erinnere dich, als Kind bist du oft
im Traume geflogen,
manch einer dachte, du hättest gelogen.

Nun nutze es endlich wieder,
dein wunderschönes
schneeweißes Menschengefieder.

14. April 2007




Kommentare

von bruni am 23.4.12

das gefällt mir
“Glockentraumpoem”
wieder hast Du ein wunderfeines Wort erfunden.

von mono8no8aware am 23.4.12

ein himmlisches glockentraumpoem…

von bruni am 20.4.12

wie schön ist Dein Kommentar. Mit wundersamem Glockengebimmel kommt er hier an und den Schwung zum Turm hinauf, den hat er auch noch drauf.
Dir einen lieben Gruß von mir
Bruni an Ludwig
herzlichst

von mono8no8aware am 20.4.12

...und schwebe empor
wie inmitten eines singenden chors
fast bis zum bläulichen himmel
inmitten glockengebimmel
bis da weit oben auf einem turm…
wundervolle zeilen hast du hier
kreiert, liebe dichterin, motto-
verse gegen die erbärmlichkeit
des alltags!
herzlich
ludwig

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