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Treppe zum Himmel

Die Treppe zum Himmel braucht der
ohne Flügel, der Erdenwurm, dem man
die Flügel gestutzt, nach Strich und
Faden benutzt, der nun gebeugt,
gebrochen und mutlos erkennt,
wie weh man ihm tut.
Er hat sie verloren, die Treppe, in all
seiner Pein. Trotz Menschengewimmel
fühlt er sich allein.

Verraten, verkauft, nicht mehr gebraucht,
sucht er nun den Weg, den man zum
Himmel nimmt und erinnert sich stumm,
als er „klein“ war und ziemlich „dumm“,
da gab es die Treppe hinauf zu den Sternen,
zum Licht in der Nacht, doch man hat damals
gelacht, hat ihn gehänselt, verspottet,
als dümmlicher Spinner wurde er abserviert

Da nahm er die Treppe, montierte sie ab,
zerlegte sie, als ob er dafür Fachmann wär;
noch schnell mit dem Leben zugeschmiert und
so war es geschehen, seine Treppe hat seit
damals niemand gesehen

Da lag sie nun Jahre und mancher Gedanke
wankte, müde geschafft, am Abend zu ihr und
der Mensch träumte manchmal aus Versehen von
seiner Treppe, der Flucht vor dem Frust
und dem Weg in der Nacht zum Sternenlicht.
Auf dieses Wunder von Licht wurde er
im Laufe der Jahre doch sehr erpicht.

Sollte er`s wagen? Die Treppe restaurieren?
Sie wieder montieren Und dann vielleicht noch
ausprobieren? Wo war die Kraft? War sie
verbraucht oder gab es noch einen kleinen Rest
von ihr, tief in seinem Innern versteckt?

Er suchte und fand und verschwand, um sie zu
bauen, die Treppe zum Himmel,
seine Treppe zum Licht.

Es war das Dunkel um ihn herum, das ihm die
Luft zum Atmen nahm:
das Denkdunkel der Menschen im Alltagsdelirium
Es fehlten Freude und Lust und auch das
Vergnügen, was sollte er unter diesen
Nichtdenkern noch liegen?

Er nahm seinen Mutrest, den, der ihm vom Leben
geblieben, düngte ihn mit letzter Kraft mit
seinem gesamten Lebenssaft und begann seinen
Aufstieg über die Treppe zum Himmel.

Es war mühsam, ein dorniger Weg, so ganz
nach oben in schwindelnde Höh’!
Schritt für Schritt und langsam gings auch,
die Treppe schwankte ein wenig im Wind,
er ging sehr behutsam, als sei er ein Kind,

blickte mit schüchternem Blick im Himmel umher,
ob er nicht bald einen Engel seh’...
Dann war es geschafft, er sah in zärtliche,
lichtblaue Augen, ins zartestes himmlisches
Angesicht, erblickte mächtige Flügel,
die ihn nun bargen in ihrem flaumweichen,
weißen Engelsgefieder

Da wollte er nie wieder zur Erde nieder

Ein Märchen zum Donnerstagabend,
dem 14. September 2006




Kommentare

von bruni am 25.11.13

Es ist seltsam, ich liebe sie ja noch heute, meine Treppe zum Himmel, aber ich brachte sie nie mit Deiner Turmgeschichte in Zusammenhang, dabei passt sie so gut dazu.
Wie habe ich damals daran geschrieben, ich erinnere mich gut. Sie war so wichtig und richtig, diese Treppe, ich wußte, sie muß es geben!!! Und ich schuf sie als Märchen… *lächel*
Liebe Grüße zu Dir ♥

von finbar am 25.11.13

Brunis wundersame Turmgeschichte…
das Erklimmen der Treppe zum Himmel!

ein gewaltiges POEM
von dir - hervorragend!

herzlichst
finbar

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