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Risse

Risse in der dünnen Haut,
blutende Risse, die der Einsamkeit
Tür und Tor öffnen.
Brüchige Stellen, durch die salzige
Tränen eindringen
und ätzende Wunden schaffen.

Stille Schreie,
die sich der Alltags-Aufmerksamkeit entziehen,
durchdringen in höchstem, misstönendem
für menschliches Ohr nicht hörbarem Falsett
die dunkle Stille,
zerreissen nächtliche Ruhe
und den Frieden der Nacht.

Ach, könnte ich doch unbekümmert
schreiben über den Kummer,
würde mich nicht kümmern
um die mich umgebenden Kümmernisse,
die mich niederdrücken
mit Wucht und Gewalt.

Erleichterung bleibt ohne Gestalt.

Könnte ich mich doch hinwegsetzen
über das Kummervolle des Nächsten,
Sorgen in tiefster Tiefe verbergen,
leicht und gewichtlos emporsteigen
die die Höhe, die leuchtet und trägt.

Nimm mich auf, Seele der Welt,
auch wenn die meine schon etwas entstellt
richte sie neu und salbe sie gut.

Gib ihr doch einfach Kraft und auch neuen Mut.

02. Juni 2006




Kommentare

von bruni am 24.6.12

es ist schon etwas seltsam, wenn ich diese Zeilen heute wieder lese, lieber Ludwig. Ich höre 6 Jahre später meine eigenen Worte… Ich höre ihr Seufzen.
Wie schön, daß Du hier warst u.mich verstanden hast.
Risse in der Haut heilen oft nicht besonders gut. Es braucht besondere Pflege dazu.
Herzlichst grüße ich Dich
mitten in der Nacht

von ludwig am 23.6.12

“Ach, könnte ich doch unbekümmert
schreiben über den Kummer”...
aber gerade DAS hast du doch in diesem poem mustergültig gemacht, liebe bruni, so beeindruckend, dass mir die tränen purzeln in die rissige haut meiner kehrwochehände…
herzliche grüße
ludwig

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