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Wolkenmann sucht Wolkenfrau

Im Himmelsblau sieht man es ziemlich genau.
Er ordnet sich, schüttelt die Arme,
verrenkt die globigen Hände
und bewegt sein wolkiges, flockiges, großes
und breitfließendes Gesicht zur wunderschön scheinenden
zartesten weißlichen Wolkenfrau,
die in seine Nähe weht
und dort eine kleine Weile
ihm wie ein Wunschbild erscheint.

Dann bläst der Wind seine Backen auf,
pustet sacht der wolkigen Dame
in die schon fast zerfließende Körpermitte
und es entsteht, MANN kann es kaum glauben,
ein neues Gebilde, und nur noch
in seiner Wolkenmann-Fantasie
kann er darin seine Herzdame seh’n.

Am Himmel, dem weißbewölkten,
da herrscht heute richtiges Marktfrauentreiben
und die zarteste aller Wolkendamen,
sein Sehnen, sein Trachten
ist nur noch ein Schemen, ein Ahnen,
ein Streifen aus Nebel,
der an ein Geisterwesen gemahnt.

Doch halt, wer ist die da hinten?
Die dicke, die mit der besten Leibesfülle?

Das ist sie, die will er, er richtet sich auf
und reckt seine Arme – erreicht sie fast,
bis auch sie das Sehnen erfasst
und die Fingerspitzen, die kraftvollen
dem wolkigen Mann entgegenstreckt.

Sie recken die Körper aus Wolke wie Watte,
der Wind hilft ein klein wenig nach
und aus den beiden Leibern aus Wolke
wird ein dickscheinendes, wohligrundes
und zusammengehörendes Wolkenpaket,
das Lust verströmt, Lächeln gewinnt
und dem Ernsten den Wind aus den Segeln nimmt.

23. Juli 2006




Kommentare

von bruni am 2.10.13

wenn ich mir überlege, daß ich erst 2006 damit begonnen habe und vorher nur sehr selten mal u. dann nur im Geheimen, dann bin ich schon erstaunt, wie es sich entwickeln konnte, dieses Gerneschreiben.

Deine Worte hier bei den “alten” Sachen sind mir sehr viel wert!

Ich bin sehr froh darüber!

von finbar am 2.10.13 - http://finbarsgift.wordpress.com

wie schön
dass du das kannst!
und auch zurückblieben
auf eine solch beneidenswert
gehaltvolle lange Zeit
deines Dichtens, bravo!

von bruni am 1.10.13

*lach* ♥, ja, ich auch, beim eben Wiederlesen, lieber Finbar. Es ist eine kleine verrückte Liebesgeschichte von zwei Wolken *lach*. Sachen habe ich geschrieben, da bin ich heute manchmal sehr erstaunt und lächle über mich selbst.
Liebe Grüße von mir

von finbar am 1.10.13 - http://finbarsgift.wordpress.com

Über das
MARKTFRAUENTREIBEN
da oben am blauweissen Himmel
habe ich mich gerade
KÖSTLICH amüsiert!

Welche Gedanken gehen dir bei diesem Gedicht durch den Kopf? Teile sie uns mit!



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