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Monster und Mondscheinfrau

Sieh hin und schau dabei genau!
Es treffen sich Monster und Mondscheinfrau.

Hinkend und stöhnend,
schleimig scheinend und
schwammig verschwommen,
bucklig verbogen und
schauderhaft scheußlich von Angesicht

Schleicht sich in dunkler Nacht,
gnädig verborgen in den riesigen Schatten
des vollkommenen Nichts,
das liebende Monster, beugend gebückt
durch Nebelgrauen und den Abgrund der Nacht,

Bis es von Ferne die lichthellen Bogen,
und flackenden Feuer
der trutzigen Festung über den
sturmgepeitschten Klippen erblickt.

Da wohnt die wunderlich zart
und ach so ätherisch hold
scheinende Mondscheinfrau.
Aus reinster Mondseide
die dunklen, langfließenden
Flechten gesponnen.

Die Maid, die dem Monster gefällt,
für die es sein armseliges Monsterleben gäbe
mit Riesenfreude und Monsterbegehr,

Sie steht auf der Brüstung
und späht in die Ferne,
sieht den schwärzesten Himmel
und das Meer voller Sterne.
Sehnt sich nach Liebe und
hofft auf ein Wunder in dieser Nacht.

Da schleicht nun das Monster
um das tiefstschlafende Schloß!

Erreicht voller Kraft das erste Geschoß,
sieht im vollen Mondenschein
die von ihm so geliebte Mondscheinfrau,
und traut sich endlich zu ihr auf den Söller.

Es fällt ihm schwer, hinkend und stöhnend,
über die uralten steinernen Stiegen zu steigen.

Bei all seiner Lust überfällt ihn nun doch
fast ein Frust, doch ein Monster gibt niemals auf
und steigt beherzt zur schönsten Mondscheinfrau
aller Zeiten hinauf.

Sie reckt ihre Arme,
hat den Mann, den geliebten
schon lange erkannt,
den ein Zauber vor sehr langer Zeit
in das schleimig und scheußlich
scheinende Monster gebannt.

Er hinkt immer schneller,
wirft sein hinderlich und über
die Jahrhunderte total zerfetztes Gewand
über die Brüstung hinab in den Graben,
worauf sich dort unten die Raben dran laben.

Sie treffen sich genau in der Mitte der Zinnen,
beide sind nun fast nicht mehr bei Sinnen.

Die Turmuhr schlägt 12, der Spuk ist vorbei.

Monster und Mondscheinfrau umfangen sich sacht
und lieben sich ewig seit dieser Nacht.

20. Dezember 2006




Kommentare

von bruni am 14.1.12

ich sah die Geschichte vor mir, als ich sie schrieb. Ich sah dieses Monster und ich sah die schöne junge Frau vor mir,wie sie da oben stand und wartete ...
Wie shcön, dass es Dir gefallen hat, lieber Ludwig

von mono8no8aware am 14.1.12 - http://mono8no8aware.wordpress.com

was für ein spaß, ein hochgenuss!
herzlichst
ludwig

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